In der Münchner Pinakothek hängt ein Porträt von Eduard Graf von Keyserling, welches sein Freund und Zeitgenosse Lovis Corinth um 1900 während eines gemeinsamen Aufenthalts am Starnberger See malte.
Es zeigt einen Mann von beeindruckender Häßlichkeit, wohl auch schon gezeichnet von seiner fortschreitenden Krankheit.
1855 kam Keyserling auf Schloß Paddern in Kurland, heute Lettland, zur Welt. In drei Handlungssträngen führt Klaus Modick den Leser in seinem biographischen Roman ins Baltikum, nach Wien und vor allem nach München. Hier verleben Keyserling und seine Freunde Max Halbe, Franz Wedekind und der schon erwähnte Lovis Corinth 1901 eine herrliche Sommerfrische am See. Das Zusammensein wird allerdings überschattet von einem dunklen Geheimnis aus Keyserlings Vergangenheit. Eine Affäre? Wettschulden? Oder was könnte es sein?
Vor dem geistigen Auge entstehen stimmungsvolle Bilder, die den impressionistischen Werken des portraitierten Dichters wunderbar entsprechen. Und hier liegt die große Kunst von Klaus Modicks Romanen. Wie schon in seinem Rilke und Vogeler-Portrait „Konzert ohne Dichter" fühlt sich der Leser versetzt in die Zeit dieser Künstler und genießt die zauberhafte Atmosphäre und durchaus auch deren Humor. So sitzen die Freunde am Frühstückstisch und es duftet nach Kaffee und frischen Semmeln. „Halbe läßt die Zeitung auf die Knie sinken, schmunzelt. „Hast Du etwa auch gebadet?" „Ich bade nur noch in Erinnerungen", sagt Keyserling.

Roman
Kiepenheuer & Witsch, 20,00 €

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