Die letzten Empfehlungen aus dem Team

Peter Neumann: Feuerland. Eine Reise ins lange Jahrhundert der Utopien 1883-2020

Lesetipp von Nicole Christiansen - 27.11.2022

Roman, Siedler, 24,00 €

Der Autor Peter Neumann studierte u.a. Philosophie in Jena und Kopenhagen und ist Redakteur bei "DIE ZEIT".Sein Buch „Jena 1800. Die Republik der freien Geister" erschien 2018 und war ein großer Erfolg.

In der ersten Geschichte in seinem neuen Buch führt uns Peter Neumann in die Hauptkirche St. Trinitatis in Hamburg Altona. Es ist der 26. August 1883. Während der Predigt gerät der schwere Kronleuchter über den Köpfen der Gemeinde wie von Geisterhand heftig ins Schwanken. Eine Viertelstunde dauert das Spektakel und ein Raunen geht durch die Reihen. Als Ursache vermutet man ein schweres Erdbeben.

Gepackt von diesem lokalen Einstieg las ich das Buch, das uns in 19 Kapiteln spannende Begegnungen zwischen bildenden Künstlern, Schriftstellern und Philosophen im 20. Jahrhundert in Europa vorstellt, mit großem Vergnügen. Da trifft 1903 Franziska von Reventlow auf Thomas Mann. Die Gräfin, die sagte „Mich reuen die Sünden, die ich nicht beging", kämpft für ein freies und selbstbestimmtes Leben. James Joyce und Marcel Proust besteigen das Taxi in die Zukunft, und Salvador Dali und Sigmund Freud durchleiden schlaflose Nächte.

Stets sind es Geschichten, in denen wir lesen, wie die Künstler und andere Zeitgenossen ihre persönlichen Krisen meisterten. Eingerahmt werden diese vielfältigen Begegnungen von der ersten Geschichte aus Altona und der letzten Geschichte aus Wuhan 2020. Statt mit den persönlichen Schicksalsberichten endet Peter Neumanns Buch mit dem Sturm, der 2020 über unsere Erde losbrach. Krieg, Klima, Energie und Gesundheitskrise lassen uns besorgt in die Zukunft blicken. Der persönliche Blick in die Vergangenheit, den wir in diesem wunderbar geschriebenen Buch schärfen können, schenkt dem Leser die nötige Zuversicht und macht Mut. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre zum Jahreswechsel!

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Leïla Slimani: Schaut, wie wir tanzen

Lesetipp von Eva Lorenzen - 24.11.2022

Aus dem Französischen von Amelie Thoma
Roman, Luchterhand, 22,00 €

"Schaut ,wie wir tanzen" ist der zweite Band einer auf drei Teile angelegten Familiensaga, die viele autobiographische Bezüge aus Slimanis eigener Familie aufweist.

Marokko in den 1960ern:
Nach den langen entbehrungsreichen Jahren tragen die Bemühungen auf der Farm nun Früchte und Aminde und Mathilde haben es zu Wohlstand gebracht. Aus diesem Grund können sie ihre begabte Tochter Aicha zum Medizinstudium nach Frankreich schicken.
Keine leichte Zeit für die stille, schüchterne junge Frau, denn um sie herum toben die Studentenproteste. Von den Diskussionen,Umsturzgedanken und der Idee der freien Liebe ist Aicha völlig überfordert und so zieht sie sich zurück und konzentriert sich fast ausschließlich auf ihre Lerninhalte.

Eines Tages trifft sie Mehdi, dem wegen seiner Ansichten und Diskussionsfreude der Spitzname "Karl Marx" verpasst wurde und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Allerdings vergehen noch ein paar Jahre mit Missverständissen und einem übereilten und ausgeschlagenem Heiratsantrag, bis die beiden ein Paar werden.

Selim, Aichas Bruder entflieht derweil der Strenge und den Erwartungen des Elternhauses und schließt sich den Hippies an, die Nordafrika für sich entdeckt haben. Bald träumt er davon, alles hinter sich zu lassen und nach Amerika auszuwandern.

Auch in diesem Buch beschreibt die Autorin die Zerissenheit ihrer Figuren, die Frage der Identität, ihre Wünsche.
Jedes Mal wenn ein Ziel erreicht scheint ,öffnet sich dahinter nicht die große Zufriedenheit, sondern es zeigen sich neue Ängste, politische Fallstricke und unerfüllbare Erwartungen.
Eine faszinierende Geschichte in Zeiten des Umbruchs und eine Familie die an ihrer Sprachlosigkeit fast erstickt.

Wenn Sie mehr über die Autorin und ihr Werk erfahren möchten, empfehle ich "Macht, Lügen und Geheimnisse", ein Feature, zu hören in der Mediathek vom Deutschlandfunk.

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Michel Friedman: Fremd

Lesetipp von Michael Keune - 15.11.2022

Sachbuch Literatur, Berlin Verlag, 20,00 €

"Die Angst ist mein Lebensgefährte."

Als Kind mit den Eltern in ein Land zu gelangen, wo das Entgegenkommen mit Hass und Ausgrenzung gepflastert ist.

Wo die Angst wächst und das Gefühl des Fremdsein den Tag bestimmt. Michel erfährt von seiner Familie dagegen viel Fürsorge. Weitergehen, heranwachsen, die wachsenden Fähigkeiten nutzen. Immer wieder schmerzhafte Erfahrungen der Ablehnung. Verluste hinnehmen. Die wiederkehrenden Fragen: "Was oder wer bin ich? Gehöre ich dazu?" Das Selbstbewußtsein stärken in einer Welt, die ihm viel abverlangt.

Es ist das Persönlichste und Schmerzhafteste, was Friedman je geschrieben hat - so steht es auf dem Buchumschlag. Mich hat dieser Text sehr beeindruckt.

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Christine Dohler: Rauhnächte mit Kindern erleben. Eine magische Reise für die ganze Familie

Lesetipp von Nicole Christiansen - 12.11.2022

Ratgeber, Goldmann, 14,00 €

Die Rauhnächte dauern 12 Tage. Sie beginnen am 1. Weihnachtstag und enden am Dreikönigstag.
Es ist eine „Zwischenzeit", die unseren Alltag unterbricht und schon von den Kelten und Germanen durch Rituale zur inneren Einkehr genutzt wurde. Der Ursprung der Rauhnächte könnte auf das mittelhochdeutsche Wort „rouch" (Rauch) zurückgehen. Damals räucherten die Menschen die Ställe und das Haus mit Kräutern oder Harzen, um die Geister zu vertreiben. Heute böllern wir in der Silvesternacht. Keiner glaubt mehr an Geister, doch Stress, Probleme und negative Gedanken verfolgen uns in unserem Alltag. Die Zeit der Stille können wir nutzen, um innerlich zur Ruhe zu kommen. Bräuche und Rituale können uns dabei unterstützen. Sie schenken uns Sinn, Vertrauen, Sicherheit, Verbundenheit und Zuversicht.

Christine Dohler gibt Erwachsenen und Kindern in ihrem Buch an jedem Tag der Rauhnächte vielfältige Anregungen, um gemeinsam die Natur zu erleben, Kraft zu tanken und magische Momente miteinander zu teilen.
Das Vorlesen wird dank der kleinen Elfe Njola für die Kinder zu einem zauberhaften Vergnügen.

Ein wunderschönes Geschenkbuch für die ganze Familie!

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Ali Benjamin: Die Suche nach Paulie Fink

Lesetipp von Annette Quest - 09.11.2022

Aus dem Englischen von Sandra Knuffinke und Jessika Komina
Kinderbuch ab 11 Jahren, Hanser, 18,00 €

Caitlyn ist auf vieles gefasst gewesen, aber so schlimm hat sie sich ihren ersten Tag in der neuen Schule nicht vorgestellt: Lauter enttäuschte Gesichter blicken ihr entgegen und ein Mädchen mustert sie von oben bis unten, rümpft die Nase und sagt: „Na, du bist jedenfalls nicht Paulie Fink!"
Paulie Fink. Alle reden nur noch über diesen Jungen, der offenbar überraschend die Schule gewechselt hat. Seine Streiche seien legendär gewesen, selbst die Lehrer scheinen von Paulies Witz und Ideenreichtum beeindruckt gewesen zu sein. Kurz: Er sei eine Legende.

Doch dann wird Caitlyn plötzlich für die Castingshow 'Mitchell sucht den neuen Paulie Fink' zur Jurorin ernannt. Sie soll sich originelle Challenges ausdenken, um eine oder einen würdigen Paulie-Nachfolger/in zu wählen. Und der quirlige Charme dieser eigenwilligen Schule zieht sie in ihren Bann. Und nicht nur das: Beim Ziegenfüttern, bei der Vorschulkinderbetreuung und nicht zuletzt in Mags 'Menschheitskunde' lernt Caitlyn eine ganze Menge darüber, wie sie vorher gewesen ist, wie sie jetzt ist und wie sie eigentlich gern sein möchte.

Eine außergewöhnliche Geschichte, mal witzig, mal nachdenklich, über Freundschaft und über das Geschichtenerzählen selbst. Denn wer ist dieser Paulie Fink eigentlich wirklich?
Toll, wie z. B. Platons Höhlengleichnis auf Caitlyns ganz alltägliche Erfahrungen heruntergebrochen wird! Und wie die Autorin durch die Interviews so viele verschiedene Perspektiven einflicht. Meiner Meinung nach hat 'Die Suche nach Paulie Fink' den Deutschen Jugendliteraturpreis redlich verdient!

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Ole und Hans Könnecke: Hört sich gut an! 50 Instrumente und wie sie klingen

Lesetipp von Susanne Sießegger - 06.11.2022

Kinderbuch ab 5 Jahren, Hanser, 20,00 €

„Hört sich gut an" ist ein großartiges, buntes und informatives Sachbuch für Kinder ab ca. 5 Jahren mit Illustrationen von Ole Könnecke. Verschiedene Tiere spielen die 50 Instrumente. Herrlich komische Bilder! Dazu gibt es eine kindgerechte Erläuterung - Woher kommt das Instrument? Wie wird es gespielt? Wer hat's erfunden? Außerdem findet sich zu jedem Instrument ein QR-Code, der zu einem Musikbeispiel führt. Hans Könnecke hat die 50 Tonbeispiele komponiert und mit solistischen Instrumentalisten aufgenommen. Zauberhaft! Schließlich werden auch noch die einzelnen Singstimmen behandelt, denn die Stimme ist ja unser ureigenstes Instrument.

Fazit: Ein wunderbares Nachschlagewerk für Kinder und alle, die sich für Musik oder sehr witzige Illustrationen interessieren. Sollte in keiner Familienbibliothek fehlen!

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Mikita Franko: Die Lüge
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Dita Zipfel: Brummps. Sie nannten ihn Ameise
von Annette Quest, 16.06.2022

Alice Oseman: Loveless
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Dominic Sandbrook: Weltgeschichte(n) - Zeit der Finsternis: Der Zweite Weltkrieg
von Andreas Mahr, 08.06.2022

Joachim B. Schmidt: Tell
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