Die letzten Empfehlungen aus dem Team

Jasmin Schreiber:
Mariannengraben

Roman, Eichborn Verlag , 20,00 €

Erzählt wird die Geschichte von Paula, Biologie-Studentin, die sich nach dem Tod ihres jüngeren Bruders Tim in einer tiefen Depression befindet, so tief wie der Marianengraben.
Als sie sich entscheidet, ihren Bruder auf dem Friedhof zu besuchen, allerdings nachts, denn mit anderen Menschen zusammen kann sie sich nicht trauern, trifft sie durch Zufall auf einen alten Mann, der sich an einem Grab zu schaffen macht. Wie sich herausstellt, versucht er die Urne seiner Ex-Frau Helga auszugraben, um die Asche in den Bergen zu verstreuen. Allerdings landet die Asche von Helga zuerst auf Paula, als Paula und Helmut, der Urnendieb, auf der Flucht vor den Friedhofsgärtnern sind. Nachdem Helmut, den wir als nicht besonders aufgeschlossenen Menschen kennenlernen, realisiert, in welch desolatem Zustand Paula sich befindet, schlägt er ihr vor, ihn zu begleiten. Und so machen sich die beiden in Begleitung der Hündin Judy mit Helmuts Wohnmobil auf den Weg nach Südtirol.
Neben den vielen ungemein lustigen Situationen, die die beiden auf ihrer Fahrt erleben, lässt Paula uns an den Erinnerungen an ihren Bruder teilhaben, die sehr berührend sind und uns die Trauer um den Verlust dieses wunderbaren Menschen nachvollziehen lassen.
Und weil die Beziehung zu Helmut Paula immer mehr stabilisiert, können wir von Kapitel zu Kapitel mit Paula aus dem Marianengraben aufsteigen.

Mir hat diese Mischung aus der Beschreibung von Paulas Trauer und den wirklich witzigen Szenen sehr gut gefallen. Jasmin Schreiber weiß, wovon sie schreibt, denn sie arbeitet ehrenamtlich als Sterbebegleiterin und Fotografin von sehr jung gestorbenen Kindern.
Ich habe trotz des nicht leichten Themas lange nicht mehr so viel beim Lesen gelacht.

Lesetipp von Maike Arndt - 04.06.2020


Sigrid Nunez:
Der Freund

Aus dem Amerikanischen von Anette Grube
Roman, Aufbau Verlag, 20,00 €

Kurz bevor dieses ungewöhnliche Buch endet, werden Sie den folgenden Satz lesen:
„Was wir vermissen - was wir verlieren und worum wir trauern -, ist es nicht das, was uns zuinnerst zu der Person macht, die wir wirklich sind. Ganz zu schweigen davon, was wir im Leben wollten, aber nie bekommen haben."
An dieser Stelle kennen Sie Apollo, eine Dänische Dogge von beachtlicher Größe, und die Erzählerin dieser Geschichte schon allzu gut. Sie wissen, daß der Freund der Erzählerin unter Depressionen litt und sich das Leben nahm. Die Beiden verband eine langjährige, sehr innige Freundschaft, die geprägt war von Gesprächen über ihre Arbeit. Beide sind Schriftsteller und unterrichten Literatur an der Universität. Am Anfang ihrer Freundschaft probierten sie einmal aus, wie es sich anfühlt, miteinander zu schlafen. Danach beschließen sie beide, lieber Freunde zu bleiben. Der Verstorbene hatte drei Ehefrauen, die im Roman Nummer 1, Nummer 2 und Nummer 3 genannt werden, zudem viele Affären mit seinen Studentinnen und er hatte eben diesen Hund. Nummer 3, die Witwe, möchte Apollo, der sehr um sein Herrchen trauert, auf keinen Fall behalten. So schwätzt sie das Tier der Erzählerin auf, die ihn in ihr winziges Appartement in New York unerlaubt einziehen lässt.
Die Beiden gewöhnen sich aneinander und teilen den Verlust. Sigrid Nunez kombiniert hier eine teils sehr humorige Hundegeschichte mit den großen Fragen danach, was die Literatur vermag und wieviel Autobiographisches der Schriftsteller*In im Roman preisgeben darf. Hilft  Schreiben dabei, Verlust und Tod zu verarbeiten?
Am Ende bleibt offen, wen die brillante Autorin mit dem Freund eigentlich meint. Sigrid Nunez entlässt ihre Leser*Innen aber mit der Gewissheit, wie eng gute Literatur mit unserem Leben in all seinen Facetten verwoben sein kann. Ein wahrhaft gelungenes Buch und eine Ode an die Freunde!
Der Roman „Der Freund" erhielt 2018 den National Book Award.

Lesetipp von Nicole Christiansen - 28.05.2020


Helga Schütz:
Von Gartenzimmern und Zaubergärten

Literarisches Gartenbuch. Mit Illustrationen von Nils Hoff, Aufbau Verlag, 22,00 €

Helga Schütz, gelernte Gärtnerin und Drehbuch-und Romanautorin, lädt uns ein in ihren Garten in Berlin Babelsberg. Sie erzählt von Ihrem Kampf gegen den märkischen Sand, den Versuchen Verbenen anzusiedeln und dem Bemühen, mit Beschwörungen Nacktschnecken zu vertreiben....
Helga Schütz erinnert sich, wie sie als Studentin an der Filmhochschule im Garten von Karl Förster arbeitete und seinen legendären Garten bewunderte.
Bei der blauen Blume, die die Romantiker suchten, müsse es sich bestimmt um den Rittersporn mit seinem magischem Blau handeln – da ist sich Helga Schütz ganz sicher!
In ihren zauberhaften Miniaturen lässt sie uns teilhaben an ihrer Liebe zur Natur, zum Leben und zur Literatur und so können wir gemeinsam mit ihr durch die Gärten wandeln.

Lesetipp von Sigrid Lemke - 27.05.2020


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Stig Sæterbakken: Durch die Nacht
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