
Lesetipp von
Annette Quest
08.03.2024
Die neunjährige Ada darf die kleine Londoner Wohnung nicht verlassen, weil sie einen Klumpfuß hat, den ihre Mutter für eine Schande hält. Während Adas kleiner Bruder Jamie in die Schule gehen darf, bleibt sie dazu verdammt, auf einem Stuhl sitzend aus dem Fenster zu gucken. Oder sich zur Strafe in das schreckliche Kabuff unter der Spüle zu quetschen, wo Küchenschaben über sie krabbeln.
Doch dann sollen 1939 im Rahmen einer großangelegten Aktion Kinder aufs Land evakuiert werden, weil der Angriff Deutschlands droht. Ada, die sich inzwischen heimlich und unter Schmerzen das Laufen beigebracht hat, schummelt sich dazu. Während Jamie sehr unter der Trennung von der Mutter leidet, eröffnet die Verschickung für Ada im wahrsten Sinne des Wortes die Welt. Denn bei der alleinstehenden Susan, die die Kinder zuerst ebenfalls nur notgedrungen aufnimmt, macht sie jeden Tag unzählige Entdeckungen. Sei es die Fürsorge, das Gras unter ihren nackten Füßen oder das Pony Butter, das zu zähmen und zu reiten für Ada als der Inbegriff von Freiheit erscheint.
Kimberly Brubaker Bradley schildert in ihrem Buch mit dem Originaltitel 'The War that saved my life' mit viel Feingefühl Adas innere Zerrissenheit, ihre lähmenden Ängste als Folge der Gewalterfahrungen durch die Mutter und auf der anderen Seite ihren unbändigen Drang zu leben. Dies alles vor dem Hintergrund eines zuerst schwelenden und schließlich wirklich ausbrechenden Krieges. Zu Recht wurde dieses Buch mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. dem Newbery Honor Award, dem Wall Street Journal Best Book of the Year und im März 2024 mit dem Luchs der ZEIT und Radio Bremen.
Übrigens gibt es einen Folgeband: 'The War I finally won'!
Übersetzung: Aus dem Englischen von Beate Schäfer
Kinderbuch ab 11 Jahren
dtv, 16,00 €