Buchtipps Juni 2026

Lesetipp von Alison Breloer:

Matt Dinniman: Dungeon Crawler Carl

Arschwitzig, einfallsreich und absolut suchterzeugend. Die legendäre LitRPG-Fantasyserie um Dungeon Crawler Carl und die Perserkatze Princess Donut gibt es endlich auf Deutsch. 

Willkommen im Dungeon. Entertainment ist Pflicht. Überleben nicht. Das Leben ist nicht fair. Erst wird Carl von seiner Freundin sitzengelassen, und dann muss er mitten in der Nacht in Boxer Shorts und Lederjacke raus, um ihre Katze Prinzessin Donut zu retten. Noch unfairer wird es, als er von außerirdischen Invasoren gezwungen wird, an einer sadistischen, intergalaktischen Spielshow teilzunehmen. In einem Dungeon voller Fallen, explodierender Goblins, Drogen dealenden Lamas besteht sein Leben von nun an vor allem darin, am Leben zu bleiben. Und dafür muss er neue Fähigkeiten entwickeln, mächtige Waffen finden und Sponsoren, die ihn in einer perversen und intriganten Medienwelt unterstützen, gegen die Panem ein Kindergarten ist. Zum Glück hat er Donut dabei, eine Katze mit viel Erfahrung im Showbusiness. Und dem unbedingten Willen zum Erfolg.

Übersetzung: Ruggero Leo

Fantasy-Serie

FISCHER TOR, Taschenbuch, 18,00 €

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Lesetipp von Lena Meyer:

Lukas Rietzschel: Sanditz

Vielerorts ist dieser Roman schon besprochen und empfohlen worden. Ich reihe mich ein, wobei ich vorausschicken will, dass mich nicht erst die Lobeshymnen ("Deutschsprachiger Roman des Jahres", Eva Menasse ) zu Sanditz gebracht haben, sondern schon die Ankündigung seines Erscheinens ...

Wie Rietzschels Vorgängerroman Raumfahrer schon führt uns Sanditz an einen Ort in der Lausitz. Eine mittelgroße Stadt, die wir zu verschiedenen Zeiten betreten; die Handlung spannt sich zwischen den späten 1970ern und dem Jahr 2022. Zentral ist die Familie Wenzel, besonders: Großmutter, Vater, Mutter und Tochter, die mit ihren Biografien eine Art inneren Kern des Romans bilden. Darum bilden sich die Stadt mit ihren durch den Tagebau bedingten Ausläufern, Wenzels Bekannte und Freude, die Nachbarschaft sowie Ereignisse bzw. Fixpunkte innerhalb der jeweiligen Generationen, zum Beispiel die Kirchengemeinde. Und erstaunlich finde ich nun, wie sich der Roman nach dem Lesen in meinem Kopf immer wieder neu wendet, also gewissermaßen in Bewegung und lebendig bleibt.

Es ist eine Menge Stoff, den Lukas Rietzschel erzählt. Aber keine Scheu: Auf dem Vorsatzpapier des Buches gibt es ein Personenverzeichnis und eine Karte und die eher kurzen Kapitel sind mit Jahreszahlen überschrieben, sodass die Orientierung leicht fällt. Und wenn auch zunächst die eine oder andere Episode anscheinend unverbunden aus der Handlung herausfällt, verzahnt sie sich schnell zu einem fesselnden Roman, der die Kraft hat, uns nach der letzten Seite weiter zu beschäftigen!

Übersetzung:

Roman

DTV, 26,00 €

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Lesetipp von Sybille Kramer:

Birgit Birnbacher: Sie wollen uns erzählen

Endlich wieder ein neues Buch von der Bachmann-Preisträgerin Birgit Birnbacher. Und ich bin auch diesmal sehr begeistert von diesem schmalen Roman, der mich sofort mitgerissen hat. 
Es geht um den 9-jährigen Ozzy, der ADHS hat und um seine Mutter Ann, die ganz ähnlich gestrickt ist wie ihr Sohn. Bei ihr und ihrer Schwester Nell hieß es früher allerdings nur "Sei nicht immer so wild". Die Diagnose Neurodivergenz gab es damals noch nicht.
Ann sagt zu ihrem Sohn lieber, dass sie beide "knisternde Nerven" haben. Und sie versucht Ozzy vor Zuschreibungen von Institutionen zu verteidigen.
Rasant, mit leisem Humor und Tiefe tauchen wir LeserInnen in  die manchmal chaotische Innenwelt der beiden Protagonisten ein.
Während Ann die Trennung von Ozzys Vater verarbeiten muss und gerade beruflich ziemlich eingespannt ist, passiert bei Ozzy am Ende des 3. Schuljahres, kurz vor den Sommerferien, etwas Schlimmes auf dem Schulhof. Oz ist nicht einmal in der Lage, seiner Mutter davon zu erzählen. Dabei könnte doch alles okay sein, denn sein Zeugnis ist richtig gut und er erhält die Empfehlung fürs Gymnasium.
Doch dann kommt die Nachricht, dass die Zillyoma, Anns 74-jährige Mutter Zäzilia, aus dem Krankenhaus weggelaufen ist. Ann bemerkt zwar, dass Ozzy bedrückt ist, aber die Suche nach Zäzilia ist jetzt wichtiger. Zusammen machen sie sich auf den Weg zum Innergebirg im Salzburger Land, wo die Großmutter in einem Dorf lebt. Eine Starkregenwarnung mit Straßensperrungen und drohenden Murenabgängen erschwert die Lage.
Birgit Birnbacher erzählt in ihrer ganz eigenen, wunderbar dichten Sprache und hat mit Ann und Ozzy ein kämpferisches Mutter-Sohn-Team geschaffen.

Übersetzung:

Roman

Zsolnay Verlag, 24,00 €

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Lesetipp von Sigrid Lemke:

Elin Blomgren: Mitsommertod

Elba Lorenz, Sozialarbeiterin aus Hamburg, muss einige Dinge in ihrem Leben neu sortieren. In Schweden gibt es noch das Haus ihrer Urgroßmutter und Ebba will sich ein paar Wochen darum kümmern und die Zeit zum Nachdenken nutzen.
Also fährt sie ins Dorf Björkberg in der schwedischen Provinz. Als Kind hat sie dort oft ihre Ferien verbracht und einige Dorfbewohner können sich noch an sie erinnern. In Björkberg gibt es Seen, Elche und das gefährlichste sind die Kriebelmücken…
Bis eines Morgens der Grundschulllehrer erschossen im Wald gefunden wird und es offensichtlich kein Jagdunfall war. Kommissar Ole Lund ist neu in der Gegend und muss sich erst an das Landleben und die Bewohner:innen gewöhnen.
Ebba hat sich schon in Hamburg in vieles eingemischt und stellt sich nun auch zu diesem Todesfall einige Fragen, allerdings empfindet der Kommissar das eher als Einmischung. Als auf dem Mittsommerfest ein weiterer Tote gefunden wird, ist es mit dem beschaulichen Dorfleben endgültig vorbei und Ebba und Ole Lund unterstützen sich gegenseitig.
Zugegeben: Der Plot klingt erstmal nicht besonders neu, aber wie Elin Blomgren ihn ausarbeitet ist ausgesprochen spannend und dieser Krimi ist genau das richtige für einen entspannten Urlaubstag im Liegestuhl. Man darf nur nicht gestört werden!

Übersetzung:

Krimi

Fischer Verlag, 17,00 €

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Lesetipp von Nicole Christiansen:

Luca Tortolini: Mein Hund und ich

Dieses Buch richtet sich an alle, die sich aus ganzem Herzen einen Hund wünschen.

Auch wenn einiges dagegen spricht, wird Euch dieses wunderbar illustrierte Buch einen Weg weisen, wie ihr Euch euren sehnlichen Wunsch erfüllen könnt.

Es ist im Grunde ganz einfach! Ihr müsst nur auf eine Fähigkeit vertrauen, die vor allem die Kinder im grossen Maße besitzen.

Die Fantasie! Lasst Euch überraschen.

Illustrationen von Felicita Sala

Übersetzung: Aus dem Französischen von Maren Illinger

Bilderbuch

DTV, 15,00 €

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Lesetipp von Lilli Biskamp:

Douglas Stuart: John of John

Douglas Stuart erzählt von Cal, der nach seinem Studienabschluss pleite und planlos aus Edinburgh auf seine Heimatinsel zurückkehrt. In die raue Welt der Äußeren Hebriden: Schafwolle, windgepeitschte Moorlandschaften, Kirchenlieder und unausgesprochene Erwartungen. Sein Vater John verkörpert ein Männlichkeits- und Pflichtverständnis, das keine Abweichung duldet: religiös fundiert, traditionsgebunden, unnachgiebig. Wie also könnte Cal ihm von seiner Sehnsucht nach einem Mann erzählen?

Die beiden sind sich nah und wissen dennoch kaum etwas voneinander. Das ist das eigentliche Herz dieses Romans. Douglas führt Figuren vor, die man als Leserin oder Leser am liebsten schütteln möchte: gefangen zwischen Glauben, strengen Normvorstellungen, Pflichtgefühl und verdrängten Wünschen, schweigen sie beharrlich über genau das, was dringend gesagt werden müsste. Einzig Ella, Cals Großmutter, scheint die innere Verfasstheit der Menschen um sie herum wirklich zu durchschauen und ist damit oft die hellsichtigste Figur im Raum.

Zurück auf dem Hof, auf dem er aufwuchs, hilft Cal beim Treiben der Schafe über karge Hügel, sitzt nächtelang am Webstuhl und webt gemeinsam mit seinem Vater den berühmten Tweed. Das Leben zieht ihn wieder ein, bevor er sich dagegen wehren kann. Allmählich beginnt er, die Nähe von Innes zu suchen, dem stillen, sanftmütigen besten Freund seines Vaters.

Ein Buch, dessen Stimmung einen noch tagelang begleitet und dessen Figuren man, kaum hat man die letzte Seite umgeblättert, bereits vermisst.

Übersetzung:

Roman

Hanser, 26,00 €

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Lesetipp von Annette Quest:

Katie Bernet: Beth is dead

An einem frühen Wintermorgen wird Beth March tot aufgefunden, ganz in der Nähe ihres Hauses. Die Polizei geht davon aus, dass sie ermordet wurde. Fassungslos fragen sich ihre drei Schwestern Meg, Amy und Jo, wer so etwas Furchtbares getan haben könnte. Könnte es vielleicht mit dem gerade veröffentlichten Buch ihres Vaters zu tun haben, das von den vier Mädchen handelt und höchst umstritten ist? Hätte Megs Freund vielleicht ein Motiv? Und wieso hat Beth auf der Party geweint?

Katie Bernet hat aus dem Klassiker 'Little Women' von Louisa May Alcott von 1868 einen packenden Krimi gemacht, voll von Geheimnissen, falschen Fährten und überraschenden Plottwists. So ganz kann man als Lesende niemandem trauen, denn jede und jeder hat etwas zu verbergen. Dadurch und wegen der verschiedenen Perspektiven und der vielen Rückblenden bleibt es die ganzen 448 Seiten spannend!

Übersetzung: Übersetzt von Katharina Ganslandt

DTV, 17,00 €

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Lesetipp von Anne Schroeder:

Elin Lindell: 12 Süßigkeiten und 2 Todesfälle

“12 Süßigkeiten und 2 Todesfälle” von Elin Lindell erzählt die Geschichte des stillen und sehr schüchternen Jungen Uno.

Eines Tages bittet Unos Vater Uno, ihn ins Krankenhaus zu begleiten, um Roffe zu besuchen, der schwer krank ist und bald sterben wird. Obwohl Roffe nicht sein richtiger Opa ist, gehört er für Uno trotzdem zur Familie.

Auf der Palliativstation lernt Uno das Mädchen Katjes kennen, die mutig, fantasievoll und ganz anders ist als die Kinder aus seiner Schule oder dem Hort. Bei ihr kann Uno so sein, wie er wirklich ist, und fühlt sich nicht „falsch“, wie bei vielen anderen Menschen. Während die Erwachsenen Abschied nehmen, verbringen die beiden ihre Zeit mit fantasievollen Spielen. In Katjes’ Gegenwart fühlt sich Uno immer wohler und beginnt, sich zu öffnen.

Unos Vater hingegen hat Katjes noch nie gesehen und vermutet deshalb, dass sie gar nicht existiert, sondern nur ein Teil von Unos Fantasie ist. Kurz darauf verschwindet Katjes tatsächlich. Nach einer erfolglosen Suche beginnt auch Uno zu zweifeln, ob seine beste Freundin wirklich existiert hat oder ob er sie sich nur eingebildet hat.

Das Buch “12 Süßigkeiten und 2 Todesfälle” verbindet ernste Themen wie Krankheit und Tod mit Humor und Fantasie. Die Geschichte zeigt, wie Menschen durch Freundschaft Mut finden können und dass selbst traurige Situationen zusammen leichter werden.

Übersetzung: aus dem Schwedischen von Katharina Erben

Kinderbuch, ab 8 Jahre

Klett Kinderbuch Verlag, 16,00 €

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Lesetipp von Lena Meyer:

Daniela Dröscher: Sprechen

Jetzt, im Frühjahr 2026, ist die Reihe Leben im Hanser Verlag komplett. Zehn schlanke Bände verfasst von zehn verschiedenen Autor*innen über zehn maßgebliche Aspekte des Lebens. Alle zehn habe ich noch nicht gelesen. Jedenfalls: Nach Streiten, Arbeiten und Reisen ist auch Sprechen für mich direkt ein Lieblingsbuch geworden.

In einem dramengleichen Aufbau von fünf, auch "Akte" genannten, Kapiteln nebst Prolog und Epilog stellt Daniela Dröscher darin zunächst fest, dass für sie Sprechen auch durch Missverständnisse definiert ist. Und beginnt mit einer Begebenheit aus ihrer Kindheit, an die jede*r Leser*in gleich mit eigenen Beispielen anknüpfen kann. Überhaupt ist das eine Stärke dieses Buchs: Der Text setzt um, was seine Autorin an ihrem Beispiel behauptet: Er bespricht mit seinen Leser*innen, wie es gelingen kann und gelungen ist, einander im Sprechen zu verstehen und stets das eigene Sprechen zu erweitern. 

Übersetzung:

Essay

Hanser Verlag, 20,00 €

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Lesetipp von Eva Lorenzen:

Daniel Faßbender: Heaven's Gate

Den ehemaligen deutschen Profisurfer „Caruso“ hat es nach seinem abrupten Karriereende auf eine philippinische Insel verschlagen. Neben regelmäßigen alkoholisierten Abstürzen und der Suche nach der perfekten Welle, verdingt er sich mehr schlecht als recht als Privatdetektiv.

Eines Tages steht die wohlhabende und charismatische Ángel vor seiner Hängematte und ehe er sich versieht, hat er den Auftrag, ihren Sohn Juan zu suchen: Der junge Mann ist seit zwei Wochen verschwunden.

Schon bald stellt Caruso fest, dass die ganze Sache eine Nummer zu groß für ihn ist, denn er gerät immer tiefer in ein mörderisches Komplott aus Drogen und Politik, aus dem es für ihn keinen Ausweg zu geben scheint.

Zeitgleich wird die ehemalige Hamburger Kiezgröße Dietmar „Diego“ Miehle nach zwanzig Jahren aus der Haft entlassen und schaltet sich überraschend in das Geschehen ein.

Ein spannender Krimi mit einem herrlich abgerockten Ermittler, viel südostasiatischem Lokalkolorit und einer lässigen Lehrstunde über das Surfen.

Übersetzung:

Krimi

Diogenes, 19,00 €

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