„Nussschale" heißt der 2016 erschienene Roman von Ian McEwan, und er erzählt eine klassische Dreieckskonstellation– allerdings aus einer sehr ungewöhnlichen Erzählperspektive: aus dem Mutterbauch heraus. Eine Frau betrügt ihren Mann mit dessen Bruder und schmiedet ein Mordkomplott. Der einzige Zeuge ist das ungeborene Kind, das McEwan mit höchst unkindlichen Eigenschaften ausstattet. Mit scharfem Verstand, einem feinen Gespür für die Absurditäten des Lebens und dem Pessimismus eines weltenmüden Zynikers. Hellsichtig und wortgewaltig kommentiert der Embryo, was sich außerhalb, und mit Humor, was sich innerhalb seiner Nussschale ereignet, wie den durch die Plazenta dekantierten Burgunder.

McEwan hat zu Shakespeares 400-jährigem Geburtstag eine abgedrehte Variante des „Hamlet" erschaffen. Doch anders als der dänische Prinz, der sich nicht entscheiden mag, seine Rachegedanken in die Tat umzusetzen, ist McEwans ungeborener Held kein Zauderer: Ihn hindern allein die anderen Umstände, in denen sich seine Mutter befindet. Oder kann er sich über diese Grenze hinwegsetzen? Können oder Nichtkönnen, das ist hier die Frage. Ob es Klein-Hamlet nicht doch gelingt, aus dem Mutterleib auszubrechen und seinen Vater zu rächen?

Übersetzung: Bernhard Robben
Roman
Diogenes , 22,00 €

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