Die Ich-Erzählerin in diesem Roman, der uns hinter die Kulisse der großen politischen Bühne der vereinten Nationen blicken lässt, heißt Mira Weidner und sie ist, wie die Autorin selbst, Mitte der achtziger Jahre geboren. Mira sieht sich auf ihren Stationen bei der UN in New York, Burundi und dem Weltkaff (O-Ton) Genf nicht als Weltretterin. Sie ist vielmehr eine scharfe Beobachterin, die scheinbar lässig in der Bar des Beau-Rivage eine Affäre mit dem Diplomaten Milan beginnt und in Bujumbura mit verbundenen Augen zu einem Rebellengeneral chauffiert wird, um von diesem beim Abendessen als Schreibtischtäterin entlarvt zu werden. „Haben Sie Menschen gefoltert?", fragte ich. Sind Sie schon einmal gefoltert worden?, fragte er. Sehen Sie, das ist das Problem: Sie verfassen Ihre Berichte, aber Sie haben eine sehr kleine Vorstellung von der Welt. Für Sie waren die Verbrechen gegen die Menschheit das Thema Ihrer Abschlussarbeit an der Universität." Das Leben der Expats, die an ihren diplomatischen Einsatzorten kaum angekommen sind, bevor sie bald wieder woanders hin müssen, beschreibt Nora Bossong kenntnisreich und ohne jedes Klischees. Der Roman ist thematisch und sprachlich wunderbar gelungen. Nicht zuletzt ist „Schutzzone" die richtige Lektüre, um für ein paar Lesestunden den Corona-News zu entfliehen.

Roman
Suhrkamp Taschenbuch, 12,00 €

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