Lesetipp von
Nicole Christiansen
24.03.2021

„Mit siebenundzwanzig fängt alles erst an, die ganze Jugend ergibt erst Sinn, wenn man lange genug durchhält, um sie hinter sich gebracht zu haben. Im Nachhinein von allem erzählen, das ist doch das eigentlich Geile."
Auf Sophie Passmanns neues Buch war ich trotz meines fortgeschrittenen Alters sehr gespannt, da sie mich mit ihren frischen Interviews in ihrem ersten Buch „Alte weiße Männer" als wortgewandte Feministin sehr beeindruckt hat. Stellte sie darin das Selbstbewusstsein einflussreicher Männer auf den Prüfstand, nimmt sie sich jetzt den Verhaltensweisen ihrer Generation an. Dabei erweist sie sich als scharfe Beobachterin der Millennials: Die erste Wohnung ist minimalistisch eingerichtet, die Mehrweg-Kaffeebecher natürlich ohne Kuhmilch, ihre Straße voller diverser Kultur und in die Kneipe geht das komplett "verwöhnte Mittelstandsgirl" (O-Ton Passmann) mit ihren Freunden, um dort die Arbeiterklasse zu erleben.
In ihren Milieustudien haut die Autorin pausenlos extrem witzige Pointen heraus, die das Buch besonders lesenswert machen. Doch Sophie Passmann hat noch mehr im Sinn.
Bissig und schonungslos beschreibt die Autorin gesellschaftliche Strukturen. „Geht man in Deutschland vor die Tür und denkt nicht, überall Nazis, denkt man nicht gründlich genug. Es ist vielleicht die einzige Sache, die unser Land eint: Überall Nazis, das wäre doch mal ein Thema für die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten..."
Sie baut große Gedankengebäude auf, spricht zynisch über die verpassten Chancen ihrer Eltern und Großeltern.
Was Passmann und ihre Freunde in ihrer Hipster-Komfortzone am Ende des schmalen Buches allerdings besser oder anders machen wollen? Ja, das bleibt offen!

Sachbuch
Kiepenheuer & Witsch, 19,00 €

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