Lesetipp von
Eva Lorenzen
18.04.2024

Die Schwedin Ann-Helén Laestadius ist Autorin und Journalistin und gebürtige Sámi, sie setzt sich, als vielbeachtete Stimme, für die Rechte und Sichtbarkeit dieses indigenen Volkes im Norden Europas ein.
Ihr neuer Roman beginnt in den 1950er Jahren:
Else-Maj, Jon-Ante, Marge und viele andere sind sieben Jahre alt, als sie, vom schwedischen Staat verordnet, ihre Familien verlassen müssen, um ins Internat auf die sogennanten "Nomadenschulen" zu gehen. Dort wird nur Schwedisch gesprochen und alles, was sie bis dahin in ihren Dorfgemeinschaften gelernt haben, als unterenwickelt verteufelt und verboten. Ihrer Sprache und Identität beraubt und einem rigiden Erziehungsstil ausgeliefert, sind die Kinder verängstigt und hilflos. Als Reaktion auf die neuen Lebensumstände gibt es zwischen den Schüler:innen nicht nur Solidarität, sondern auch Mobbing und Gewalt.
In 30-jährigen Zeitsprüngen erzählt die Autorin sehr einfühlsam vom weiteren Leben ihrer Protagonist:innen.
Else-Maj und ihre Familie leben ganz traditionell in einem samischen Dorf als Rentierhalter.
Jon-Ante ist in die Stadt gezogen, arbeitet im Bergbau,ist aber einsam,da er seine Dorfgemeinschaft/Familie verlassen hat, und in der Stadt nicht so recht Anschluss findet .
Marge arbeitet in der Pflege und lebt auch in der Stadt. Als sie (alleinerziehend) ein kleines Mädchen aus Südamerika adoptieren kann, findet sie anfangs gar keinen Zugang zu dem aus seinem Umfeld gerissenen Mädchen. Erst durch die Besuche in Marges Heimatdorf und die dortigen Unternehmungen beginnt eine langsame Annäherung.
 
Der Roman erzählt von einem Trauma über Generationen hinweg, von welchem die Autorin direkt betroffen ist,denn ihre Mutter war eine dieser Internatsschülerinnen!
Ein sehr erschütternder Teil der europäischen Geschichte.

Übersetzung: Maike Barth und Dagmar Mißfeldt
Roman
Hoffmann und Campe Verlag, 26,00 €

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