
Lesetipp von
Eva Lorenzen
27.09.2023
Die kleine Insel Katria vor der Küste Siziliens lebt schon seit Jahrhunderten vom Thunfischfang. Angeführt wird die Fischerei vom Raìs, einer fast mystisch verklärten Person, der sein Wissen an den nächsten männlichen Nachkommen weitergibt.
Im Jahr 1960 wird Nora geboren, wieder „nur" ein Mädchen und der Raìs bestimmt diese Enkeltochter, entgegen der gängigen Praxis zu seiner Nachfolgerin.
Mit sieben Jahren wohnt sie nicht mehr bei ihren Eltern und Schwestern, sondern allein beim Großvater und wird von ihm in die Geheimnisse des Thunfischfangs der „Mattanza" eingewiesen, skeptisch beäugt von der Dorfgemeinschaft.
Diese Sonderstellung und der große Erwartungsdruck prägen das Leben des Mädchens.
Anfangs schien alles gut zu verlaufen und die ersten von Nora geleiteten Fänge enden sehr ertragreich, doch mit den Jahren werden die Schwärme immer kleiner, oder bleiben ganz aus, da sie von den großen Fischfangflotten im Mittelmeer abgefischt werden.
Damit bricht die Lebensgrundlage vieler Insel-Bewohnenden weg und die anfängliche Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufschwung durch den Tourismus endet jäh, als die ersten toten Geflüchteten angespült werden und später das Erscheinen der Geflüchteten-Boote die Kapazitäten des kleinen Eilands an seine Grenzen bringen.
Die Autorin Germana Fabiano, geboren in Palermo, die als Dozentin für Menschenrechte auch teils in Tübingen lebt, erzählt den Lesenden eindrucksvoll, wie tiefgreifend sich die Welt in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat.
Ein Teil der sizilianischen Kultur im Wandel der Zeit - nostalgisch und hochaktuell
Übersetzung: Aus dem Italienischen von Barbara Neeb und Katharina Schmidt
Roman
mareverlag, 23,00 €
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