
Lesetipp von
Sönke Christiansen
15.01.2024
Von Sylvian Tesson gibt es schon einige Bücher über seine zahlreiche Reisen. Zuletzt den packenden Bericht über eine Reise nach Zentralasien zu den letzten Schneeleoparden (2022).
Sein neues Buch „Weiß" habe ich mit in den Winterurlaub in die Alpen genommen, denn dieses Buch handelt von einer Alpenüberschreitung. Doch mit einem Ski-Urlaub im herkömmlichen Sinne hat es wenig zu tun. Jeweils im März der Jahre 2018 bis 2021 durchwandert der Autor zusammen mit seinem Freund und Bergführer Daniel du Lac auf Skiern die Alpen von der französischen Mittelmeerküste bis nach Triest, immer jeweils nahe des Alpenhauptkamms. Sie legen dabei 1600 km zurück und überwinden insgesamt 60.000 Höhenmeter.
Nach kräftezehrenden Tagestouren, die häufig morgens um 5 Uhr starten und den ganzen Tag dauern, übernachten sie meist in ungeheizten Blechhütten oder Winterräumen von Alpenhütten. Die beiden Freunde sind froh, wenn sie hier die Temperatur auf 1 Grad erwärmen können. Die vorherrschende Farbe weiß wird für Tesson zum Sehnsuchtsort, in die er eintaucht: Glück, Erfüllung und Gefahr gleichzeitig.
„Es ging nicht darum, ein Bergmassiv zu überwinden, sondern mit einer Substanz zu verschmelzen".
Wie Dirk Fuhrig in seiner WDR online Rezension treffend beschrieb, ist dieses Buch eine Mischung aus einer „Reinhold-Messner-Extremtour und einem alpinen Jakobsweg".
Seine Erlebnisse reflektiert Tesson mit Hilfe literarischer Größen wie Sartre, Paul Claudel, Andre Gide, Proust und vor allem Rimbaud. Das macht den Text teilweise etwas zäh, da hilft dann im Zweifel Querlesen...
Insgesamt hat mich dieser Bericht aber sehr gefesselt. Tesson gelingt es, den Leser*innen seine Reise-Begeisterung bis zum Schluss zu vermitteln – da genießen die beiden Wanderer ein Bad in der Adria.
Übersetzung: Aus dem Französischen von Nicola Denis
Roman
Rowohlt, 23,00 €
Bahrenfelder Str. 79,
22765 Hamburg
040 390 20 72
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