
Lesetipp von
Sönke Christiansen
23.09.2025
Mit „Lázár“ legt der junge Schweizer Autor Nelio Biedermann einen beeindruckenden Familienroman vor, der zudem ein Panorama des 20. Jahrhunderts in Ungarn zeichnet.
Im Mittelpunkt steht eine ungarische Adelsfamilie, deren Schicksal eng mit den politischen Umbrüchen ihrer Zeit verflochten ist: vom Zerfall der Donaumonarchie über die Jahre des Faschismus bis hin zu Enteignung, Flucht und Exil im kommunistischen Nachkriegsungarn.
Biedermann verknüpft seine eigene Familiengeschichte mit fiktiven Elementen und verbindet persönliche Konflikte – Schuld, Verrat, Identitätssuche – mit den dramatischen Zäsuren der ungarischen Geschichte. Gerade dieser historische Hintergrund macht den Roman besonders eindringlich: Er zeigt, wie Kriege, Faschismus und Kommunismus nicht nur Staaten, sondern Lebensläufe und ganze Familien zerstören.
Stilistisch überzeugt „Lázár“ durch Präzision und Verdichtung. Mit literarischen Anspielungen und atmosphärischen Bildern spannt Biedermann einen Bogen zwischen Intimität und geschichtlicher Wirklichkeit. Das Ergebnis ist ein packender, zugleich berührender Roman, der weit über eine Familiensaga hinausgeht – ein literarisches Echo auf die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts.
Roman
Rowohlt Berlin, 24,00 €
Bahrenfelder Str. 79,
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