Lesetipp von
Nicole Christiansen
11.01.2024

Simone begeht im Oktober 1996 Suizid. Sie ist 27 Jahre alt. Viele Jahre später macht sich die Autorin und Journalistin Anja Reich auf Spurensuche, sie möchte eine Erklärung für den Selbstmord ihrer Freundin finden.
Sie recherchiert die Geschichte einer Familie in der Mitte des 20. Jahrhundert in der DDR. Dana, eine junge Tschechin, geht nach Mecklenburg und trifft dort Ulrich. Sie bekommen zwei Kinder: Andre und Simone. Beide Eltern haben erfolgreich ihr Medizinstudium beendet und wollen ihren Facharzt machen.
Weil kein Krippenplatz frei ist, geben sie die neugeborene Simone fünf Tage und Nächte in der Woche in die Wochenkrippe. Solche Wochenkrippen waren in den fünfziger und sechziger Jahren in sozialistischen Länder üblich.
Das zweite „Verbrechen" an ihrer Tochter, (so erzählt es Simones Mutter heute der Autorin Anja Reich) war Simones Verschickung zu den Großeltern in die CSSR, damit die Eltern ihren Umzug aus Pasewalk nach Berlin organisieren können. Die damals fünfjährige Simone bleibt 6 Monate in dem Dorf Skrochovice. Sie versteht kein Wort Tschechisch und leidet unter großem Heimweh.
Zurück in Berlin kommt Simone im Bezirk Lichtenberg in die Schule. Die Familie wohnt in einem DDR-Neubaugebiet, die Eltern finden Arbeit als Fachärzte und für Mutter Dana „ging ein Traum in Erfüllung".
Hier werden sich auch die Biografien von Simone und Anja kreuzen. Der Mauerfall wird in ihrer beider Leben eine Zäsur. Sehr eindrucksvoll schildert die Journalistin Anja Reich die Nachwendezeit und recherchiert, warum das Leben von Simone in den Neunzigerjahren völlig aus den Fugen gerät. Dieses Buch bietet seinen LeserInnen eine sehr berührende Lebens- und Freundschaftsgeschichte.

Für mich persönlich, die als Frau aus dem Westen die Neunzigerjahre in Berlin erlebte, erweitert diese Geschichte meinen Horizont gen Osten.

Roman
Aufbau Verlag, 23,00 €

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