Der neue Roman von Karen Duve liest sich wie die Konsequenz aus ihren letzten beiden Sachbüchern „Anständig essen“ und „Warum die Sache schiefgeht: Wie Egoisten, Hohlköpfe und Psychopathen uns um die Zukunft bringen“.
Hamburg-Wellingsbüttel im Jahr 2031: Der Klimawandel ist in vollem Gange und die offizielle Einschätzung, dass die Zivilisation in den nächsten fünf bis zehn Jahren zusammenbrechen wird, sorgt für eine Endzeitstimmung unter den Menschen. An die Umwelt und die Zukunft zu denken, scheint überhaupt keinen Sinn mehr zu machen. Statt dessen verbraucht jeder soviel CO2-Punkte wie möglich und fühlt sich privilegiert, wenn er eine der letzten Schollen auf dem Teller hat. Für das größte Fest sorgt das Medikament Ephebo, das so gut wie jeder nimmt und Menschen jeden Alters den Körper ihrer Jugend zurückgibt. Man wird zwar sicher davon Krebs bekommen und eine Krankenversorgung gibt es dann nicht, aber bis dahin ist ja eh alles vorbei. Angesichts des drohenden Weltuntergangs schießen Sekten wie Pilze aus dem Boden, die nach dem Befolgen irgendwelcher absurden Verhaltensweisen Eingang ins Himmelreich versprechen. Horden von demonstierenden Männern müssen Motorradgangs gründen, weil sie sich vom „Staatsfeminismus“ bedroht fühlen. (Die Feministische Partei regiert gemeinsam mit der SPD unter der männlichen Bundeskanzlerin Olaf Scholz, die Frauenquote liegt bei unter 50%.)
Auch unser Protagonist Sebastian (sieht aus wie 30, ist aber 70) hat seine Männlichkeit wieder entdeckt und in der Folge seine Frau, eine Ministerin, nachdem sie ihn verlassen hat, im Keller seines Elternhauses eingesperrt, wo sie ihm zu Diensten sein muss. So ganz im Griff hat er die Sache allerdings nicht und als er eine Beziehung mit seiner Jugendliebe beginnt, wird die Ehefrau im Keller zunehmend lästig...
Dieses Buch ist der Hammer und setzt einen, wie man in meiner Heimat sagt, „ordentlich auf den Pott“. Nachdem man den Schock aber mit der großen Portion schwarzen Humors, die Karen Duve zum Glück mitliefert, weggelacht hat, lässt es einen – hoffentlich – darüber reflektieren, was man vielleicht tun kann, um dieses Worst-Case-Szenario nicht eintreten zu lassen. Nämlich anständig essen und die Macht nicht irgendwelchen Psychopathen überlassen. Ich rate dringend zu!

Roman
Galiani, 21,99 €

Bahrenfelder Str. 79, 22765 Hamburg
040 390 20 72
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