
Lesetipp von
Sönke Christiansen
23.04.2025
Robert Harris, bekannt für seine meisterhaften historischen Romane und Politthriller, die ich allesamt mit viel Vergnügen gelesen habe, legt mit Abgrund erneut ein beeindruckendes Werk vor.
Im Sommer 1914, kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, befindet sich Großbritannien in einer politischen und gesellschaftlichen Ausnahmesituation. Im Zentrum des Romans steht die leidenschaftliche und zugleich gefährliche Affäre zwischen dem 61-jährigen Premierminister Herbert Henry Asquith und der 26-jährigen Aristokratin Venetia Stanley. Asquith schreibt ihr obsessiv Briefe, in denen er nicht nur seine Gefühle offenbart, sondern auch geheime Staatsinformationen preisgibt.
Parallel dazu wird der junge Ermittler Paul Deemer von Scotland Yard beauftragt, eine Serie von Geheimnisverrat zu untersuchen. Dabei stößt er auf verstreute Telegramme und vertrauliche Dokumente, die Asquith aus dem Auto geworfen hat – ein riskantes Verhalten, das nicht nur seine politische Karriere, sondern auch die nationale Sicherheit gefährdet.
Robert Harris verwebt in Abgrund historische Fakten mit fiktiven Elementen und schafft so einen spannenden Politthriller. Die Briefe Asquiths an Venetia Stanley sind authentisch und geben einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt des Premierministers. Da Venetias Antworten nicht überliefert sind, interpretiert Harris ihre Perspektive literarisch, was ihm erzählische Freiheiten und dem Roman eine zusätzliche Tiefe verleiht. Was den Roman zusätzlich sehr lesenswert macht ist die detailreiche Darstellung des edwardianischen Londons und der politischen Intrigen jener Zeit. Wieder ein großes Lesevergnügen von Robert Harris.
Übersetzung: Aus dem britischen Englisch von Wolfgang Müller
Roman
Heyne, 25,00 €
Bahrenfelder Str. 79,
22765 Hamburg
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