T. C. Boyle bezieht sich in seinem neuen Roman "Die Terranauten" auf ein reales Experiment, welches Anfang der 90er Jahre unter dem Namen "Biosphäre 2" in den USA stattfand. In einer hermetisch abgeriegelten Glaskuppel haben sich 8 Menschen einschließen lassen, um das Überleben der Menscheit in einer lebensfeindlichen Umgebung zu simulieren. Boyle erzählt hier den fiktiven zweiten Versuch dieses Experiments - das erste und echte Experiment war durch wiederholtes Öffnen der Luftschleuse gescheitert. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von drei Personen. Zwei davon, Ramsey und Dawn, haben es in die Auswahl der acht Teilnehmer (vier Frauen, vier Männer) des Experiments geschafft. Linda dagegen musste draußen bleiben.

Was diesen Roman so lesenswert macht - man ahnt es schon auf den ersten Seiten -, ist die Diskrepanz zwischen den Erwartungen an jeden einzelnen der ausgewählten Teilnehmer, nämlich absolutes wissenschaftliches Funkionieren unter schwierigsten Bedingungen (wenig Essen, wenig Saustoff, harte Arbeit, ständige Überwachung, kaum Rückzugsmöglichkeiten), und dem menschlichen Faktor, der beim einem so engen Zusammenleben von acht Individuen auf engsten Raum unausweichlich zu Spannungen führt. Boyle versteht es dabei hervorragend, sich in jeden einzelnen seiner drei Erzähler zu versetzen. Besonders amüsant fand ich die Passagen, wo er die frustrierte zynische Linda - sie hat es nicht in die Kuppel geschafft - ihre Gefühlswelten erzählen lässt. Das Experiment läuft trotz aller menschlichen Schwächen recht gut, bis eine Teilnehmerin schwanger wird und damit das ganze Experiment auf der Kippe steht...

Boyle-Fans werden dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite lieben, für alle anderen hätten für dieses Buch auch 400 statt 600 Seiten ausgereicht.

Übersetzung: Dirk van Gunsteren
Roman
Hanser, 26,00 €

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