Das Erste, was ich mir vornahm, nachdem ich vor einigen Wochen den Film „Paula - Mein Leben soll ein Fest sein" im Kino gesehen hatte, war, dass ich nun alles über sie erfahren wollte. Ich griff zu Barbara Beuys' Biografie „Paula Modersohn Becker. Oder: Wenn die Kunst das Leben ist" und konnte nicht mehr aufhören zu lesen.

Es zählt zu den großen Stärken dieses Buches, dass sich die Autorin Barbara Beuys der Malerin Paula Modersohn-Becker nicht mit dem Blick einer Kunsthistorikerin nähert, sondern mit der Empathie der Menschenforscherin – und der Akribie der Quellensichterin. Die studierte Historikerin, Soziologin und Philosophin, die zahlreiche hochgelobte Biografien verfasst hat, kommt dem Mitglied der Worpsweder Künstlerkolonie gerade dadurch nahe, dass sie sich an die Fakten hält und sich nicht von psychologisierenden Mutmaßungen bestechen lässt. Sie arbeitet sich durch Briefe und Tagebücher, nicht nur von Modersohn-Becker, sondern auch von Menschen, die sie kannten, und setzt aus diesen Einzelteilen ein beeindruckendes zeitgeschichtliches Mosaik zusammen. Es zeigt eine Frau, die aus einer für damalige Verhältnisse sehr modernen Familie stammt, modern bis zu einem gewissen Grad. „Deine Kunst gibst Du ein Leben lang nicht auf", bestärkt die Mutter ihre Tochter darin, einen Beruf zu ergreifen, der damals eine Männerdomäne darstellt. Ist Paula Becker allerdings erst einmal mit dem Worpsweder Künstler Otto Modersohn verlobt, weist sie der Vater an: „Deine Pflicht ist es, ganz in Deinem Mann aufzugehen."

Barbara Beuys möchte den Menschen verstehen, will verstehen, was sich die Künstlerin vom Dasein als Künstlerin verspricht, Kunst als Mittel zur persönlichen Vervollkommnung. Schläft die Künstlerin fünf Jahre nicht ihrem Mann, um rein zu sein, rein für die Kunst? Unterwirft sie sich einem künstlerischen Zölibat, um dem Göttlichen der Kunst zu dienen? Modersohn-Becker schreibt in einem ihrer Briefe: „Vielleicht ist diese Einsamkeit gut für meine Kunst, vielleicht wachsen ihr in dieser ernsten Stille Flügel."

Biographien
Insel Verlag, 12,90 €

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