In Skandinavien wird sie als eine der bedeutendsten Malerinnen des 20. Jahrhunderts gefeiert. Ich habe von ihr und ihren Bildern (Porträts, Selbstporträts und Stillleben u.a.) zum ersten Mal erfahren, als ich 2001 in der Hamburger Kunsthalle eine Ausstellung gesehen habe und die ausgestellten Bilder von ihr bewundern konnte. In einer Rezension hieß es damals, dass es dringend an der Zeit sei, Helene Schjerfbeck in den Kanon europäischer Kunstgeschichtsschreibung aufzunehmen.

Jetzt hat Barbara Beuys ihr stürmisches und dramatisches Leben in einer mit zahlreichen Abbildungen versehenen Biografie festgehalten. Bereits im Alter von 11 Jahren machte Helene Schjerfbeck durch geniale Zeichnungen auf sich aufmerksam. Ihre erste Ausbildung erhält sie dann in der Zeichenschule der Finnischen Kunstgesellschaft. 1880 geht sie nach Paris wo sie an einer privatgeführten Kunstschule, an der auch Frauen zugelassen sind, studiert. Als 27-jährige gewinnt sie mit ihrem Gemälde "Die Genesende" (ein Porträt eines am Tisch sitzenden kleinen Mädchens) auf der Pariser Weltausstellung von 1889 die Bronzemedaille. Nachdem sie sich weigert ihre Malerei in den Dienst des Finnischen Nationalismus zu stellen, zieht sie sich zurück und lebt mit ihrer Mutter jahrelang bescheiden in einer finnischen Kleinstadt. Ihre Art zu malen wird immer reduzierter.

Barbara Beuys schildert sehr einfühlsam das gesamte Leben von Helene Schjerfbeck. Ihre schwierige Kindheit - ihr Sturz von der Treppe, der frühe Tod des Vaters, ein tristes und schwermütiges Elternhaus und die geplatzte Verlobung - haben ihr weiteres Leben geprägt. 2015 zeigte die Schirn Kunsthalle Frankfurt mehr als 85 Gemälde und Arbeiten auf Papier aus nahezu allen Schaffensperioden der Malerin zwischen 1879 und 1945. Barbara Beuys lässt den Leser in ihrer Biografie am  bewegten Leben dieser beeindruckenden Malerin teilnehmen. 

Biographien
Insel Verlag , 29,90 €

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