Letzte Kunden-Lesetipps

Isabelle Autissier: Klara vergessen

Nach etwa 30 Jahren als Wissenschaftler in den USA kehrt Juri nach Murmansk/Russland zurück: in eine Welt, die ihm fremd geworden ist. Grund für seine Rückkehr ist der kranke und alte Vater Rubin. Dieser hat noch einen dringlichen Wunsch: Er will erfahren, was mit seiner Mutter Klara passiert ist – denn sie verschwand, als er noch ein Kind war. Ihr Schicksal wurde in der Familie totgeschwiegen und prägte doch mehrere Generationen. Sprachgewaltig erzählt Isabelle Autissier anhand dieser Familie von der neueren russischen Geschichte, wobei die Figuren vieldimensional und authentisch angelegt sind, wie insbesondere an Rubin deutlich wird, unter dessen psychischen Beschädigungen auch Juri in seiner Kindheit zu leiden hatte. Der Roman lässt Machtstrukturen und die verschiedenen Möglichkeiten des Umgangs mit ihnen deutlich werden – und ist zu jeder Zeit fesselnde Lektüre.

Roman Mare

Lesetipp von Anke Schild - 02.01.2021


Felicitas Korn: DREI LEBEN LANG

Felicitas Korns Debütroman »Drei Leben lang« ein anrührender, rasant erzählter Roman, der drei Leben, drei Schicksale gekonnt miteinander verwebt. Es geht um die großen Themen, nicht nur der aktuellen Zeit: Geborgenheit, Sicherheit und die Frage, was gibt uns Halt? Temporeich und spannend erzählt, fiebert man dem Ende und der Auflösung der Geschichten entgegen. Ein Buch, das auch in diesen schwierigen Zeiten die eigene Haltung zur Welt hinterfragt und wichtige Antworten gibt.

Roman Kampa Verlag

Lesetipp von peder w.strux - 07.09.2020


Roger Wortmann: Operation Babel

Ich habe Operation Babel im Urlaub gelesen. Was großartig begonnen hat, wurde von Seite zu Seite intensiver und faszinierender. Dieses Buch ist nicht einem bestimmten Genre zuzuordnen und deshalb so unglaublich spannend. Es ist ein Politthriller im weitesten Sinne, Verschwörung, Technik, Überwachungsstaat, mediale Manipulation und Fake-News. Ungewöhnliche Charaktere, spannende Locations. Ein Netzwerk von globalen Lügen und Machtgier regt zum Nachdenken an: Was ist real, was Fiktion? Kann es so etwas wirklich geben? Und noch verwunderlicher: Das Buch ist der Debütroman eines österreichischen Autors. Dieser Thriller ist wirklich lesenswert, wirkt wie eine hochwertige Netflix-Serie. Man kann nicht mehr aufhören zu lesen, es ist ein echtes Erlebnis, ich kann es jedem Fan spannender Thriller und zeitkritischen Menschen nur empfehlen. >>> Klappentext: Henning Lauritz, einst gefeierter Star der Literaturszene, steht am Abgrund seiner Karriere. Völlig unerwartet wird sein Lebenswerk für den wichtigsten Preis der Branche nominiert. Die Gala in Wien sollte sein großes Comeback einläuten. Doch auf der Bühne bricht plötzlich eine bedrohliche Kriegsvision über Henning herein. Dabei herrscht zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit Frieden. Es ist der Beginn einer Odyssee in die Abgründe von skrupelloser Machtgier, Überwachungswahn und Manipulation. Obskure Hinweise lassen das Rätsel immer komplexer erscheinen, Teile von Hennings Visionen werden erschreckende Realität. Seine eigene Geschichte gerät einmal mehr aus den Fugen. Zusammen mit der umstrittenen Journalistin Cosima de Burnes macht sich Lauritz auf, die Hintergründe zu erforschen. Im Fadenkreuz der CIA und einer supranationalen Organisation, beginnt eine Hetzjagd rund um die halbe Welt. Alle Spuren führen nach Bagdad. Die unter US-Verwaltung wiederaufgeblühte Metropole fungiert als Ikone für die Richtigkeit des Engagements der US-Streitkräfte. Alles nur Fake News? Getrieben von der Angst um seinen Verstand, gibt es für Henning nur eine Richtung: der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Koste es was es wolle! >>> Roger Wortmann: "Operation Babel"| ISBN-13: 978-3-96698-068-5 | Verlag: Thrill Reaktor / Nova MD

Thriller Thrill Reaktor / Nova MD

Lesetipp von Amelie Reiter - 07.10.2019


Kunden-Lesetipps

Elisabeth Zöller: Anton oder die Zeit des unwerten Lebens

Das in Deutschland zur Zeit des Regimes der Nationalsozialisten kurz vor und im 2. Weltkrieges spielende Buch “Anton oder die Zeit des unwerten Lebens” von Elisabeth Zöller, das im Jahr 2004 erschien, handelt von dem 1932 geborenen Jungen Anton, der durch einen Unfall zum Behinderten wurde. Durch den Unfall stottert Anton, hat eine Lähmung in der rechten Hand und eine Störung des Sprachzentrums die ihn geistig behindert.
Das Buch ist nach einer wahren Geschichte geschrieben, Elisabeth ist die Nichte von dem im Buch Anton genannten Jungen.
Das Buch erzählt wie eine Familie in der Nazizeit mit einem Sohn, der laut Hitler als minderwertig angesehen wurde, zurecht kommt.
Die Nazis bauten sogar eine Organisation auf die Juden und Behinderte tötete. Als Anton in die Schule kam wurde er von seinen Mitschülern ausgelacht getreten und fertig gemacht, aber seine Eltern schickten ihn immer wieder in die Schule da nur “normale” Kinder in die Schule gehen, so versuchten sie sein Leben zu schützen. Als Anton eines Tages von den Nazis abgeholt werden soll, versteckte die Mutter von Anton, Anton bei ihrer Freundin auf dem Land was ihr sehr schwer fällt. Die Freundin besorgte Anton noch einen Totenschein, so dass Anton vor weiteren Verfolgungen geschützt ist.
Das Buch beschreibt auf eine schöne Art und Weise wie toll es für die Familie war Anton zu haben trotz aller Anfeindung.

Am tollsten fand ich die Schlussstelle mit der Geschichte von Anton, die er selber gemalt und geschrieben hat, außerdem gefällt mir auch besonders der Epilog.
Ich gebe dem Buch 4,5 von 5 Sternen.

Jenny Erpenbeck: Aller Tage Abend

Was ist Schicksal, was ist Zufall, was bestimmt unser Leben? Leben ist immer auch Vergangenheit und Zukunft und selten Gegenwart? Jenny Erpenbeck versteht es meisterhaft, die verschlungenen Lebenspfade zu verweben. Ist es die Tochter, von der gerade die Rede ist, oder schon die Großmutter? Nur die Zeitabläufe, gebrochen durch Rückblicke, scheinen konsequent erzählt. Die Verfolgung unter dem Nationalsozialismus genauso wie die Verfolgung unter Stalin. Für eine gute Sache zu kämpfen und doch auf der falschen Seite zu stehen. Eine Sprache, die wirklich auf der Zunge zergeht und im Kopf Freudensprünge auslöst. Sehr lesenswert.

Cord Buch: Mord im Viertel

„Mord im Viertel“ ist eine flott erzählte Geschichte um links-alternativen Widerstand in Metropolen, insbesondere um den Widerstand gegen Luxussanierung und Vertreibung. Die darin verwickelten Personen haben deutliche Konturen, ohne dass viele Details ausgebreitet werden. Das Lebensgefühl und der Lebensstil verschiedener Generationen politisch engagierter Großstadtmenschen pulsieren zwischen den rasch an Fahrt aufnehmenden Ereignissen. Spannung entsteht außerdem durch Selbstgespräche einer lange unbekannt bleibenden Person, die die Kapitel einleiten. Diese Person reflektiert ihre eigene Verstrickung in die Vorkommnisse und deren mörderischen Folgen.
Cord Buch entwirft eine Protagonistin außerhalb der monogamen Norm: Nele, eine politisch aktive Journalistin Mitte 50, lebt in einem Geflecht aus mehreren sexuellen Beziehungen. Sie genießt deren Fülle und bemüht sich um Offenheit und Verbindlichkeit. Sie geht ihren Weg und macht kein großes Aufhebens davon. Auf moralische Einwände geht sie nicht ein, auch nicht auf die ihres Sohnes. Als es im Zuge der Auseinandersetzungen um die Sanierung ihres Stadtviertels zu Toten kommt, gerät sie zwischen die Fronten.
„Mord im Viertel“ ist ein Krimi, in dem die ermittelnden Beamten eine eher untergeordnete Rolle spielen. Sie fahnden nach gängigem Muster, entlang aller politischen und sexuellen Vorurteile. Damit sind sie auf dem falschen Dampfer und liegen dennoch nicht daneben.

Sefi Atta: Nur ein Teil von dir

Klappentext

Aus dem Englischen von Eva Plorin. Die Nigerianerin Deola ist 39 und hat viel erreicht. Sie arbeitet in London als Wirtschaftsprüferin internationaler Hilfsorganisationen. Sensibel und aufmerksam wie ein Seismograph nimmt sie täglich die Ignoranz ihrer Mitmenschen gegenüber der afrikanischen Wirklichkeit in beiläufigen Worten und Gesten wie haarfeine Stiche wahr. Als Deola beruflich nach Nigeria fliegt, sieht sie ihre Familie und Freunde wieder, und die Reise wird zum Prüfstein für ihre Gefühle. Sie muss sich den Erwartungen der Familie entziehen, deren Vorstellungen von einem erfüllten Frauenleben immer noch untrennbar mit Ehe und Mutterschaft verbunden sind. Auch wird sie wieder mit der Wirklichkeit des Lebens im Moloch Lagos konfrontiert, und so steckt sie fest zwischen den beiden Anteilen ihres Lebens. Deolas Reise bringt alles in Bewegung, und am Ende fällt sie eine Entscheidung, die ihr Leben in neue Bahnen lenkt.

Dimitri Verhulst: Der Bibliothekar, der lieber dement war als zu Hause bei seiner Frau

Ein über 70-jähriger Bibliothekar hat das Leben mit seiner nervtötenden Frau satt und zu seinen Kindern hat er auch keinen richtigen Kontakt. Also beschließt er irgendwann, den Demenzkranken zu spielen und spekuliert mit einer Unterbringung im Heim. Da spielt er seine Rolle überzeugend weiter... "Obwohl die Tat selbst vollkommener Absicht entspringt, geht es mir sehr gegen den Strich, dass ich jede Nacht wieder ins Bett scheiße. Mich zu dieser entwürdigenden Aktion zu erniedrigen ist wahrlich die unangenehmste Konsequenz des ziemlich verrückten Wegs, den ich auf meine alten Tage gewählt habe. Doch ich würde das Pflegepersonal misstrauisch machen, wenn ich mein Nachtzeug unbeschmutzt ließe. Um nicht aus der Rolle des senilen Altenzu fallen, habe ich keine andere Wahl, als mir in regelmäßigen Abständen in die Windeln zu machen. Denn das ist es in der Tat: eine Rolle. So dement, wie ich die Außenwelt glauben zu machen versuche, bin ich überhaupt nicht!"

Komisch ist das Buch. Und traurig. Und wunderschön gestaltet!

Jürgen Bauer: Das Fenster zur Welt

Der Roman erzählt die Geschichte einer alten Frau, deren hundertjährige Mutter gerade gestorben ist, und eines jungen Mannes, der nach einer Trennung nicht mehr weiß, was er vom Leben will. In einer skurril-komischen Szene beim Speeddating treffen die beiden aufeinander und bemerken, dass sie sich von früher kennen.
Gemeinsam starten sie eine Reise in die Vergangenheit, die beide vor die Frage stellt, was sie vom Leben noch erwarten.

Das Buch beginnt sehr melancholisch, von einer leisen Trauer über Verlust durchzogen. Doch spätestens mit dem Aufeinandertreffen der beiden Hauptfiguren kommt auch eine Komik ins Spiel, die ich sehr mochte, weil sie nie zu aufdringlich war. Der Autor verrät außerdem nur manche Details über seine Figuren sofort, vieles entdeckt man erst im Laufe des Romans, so zieht sich eine ganz eigene Spannung durch den Text und man entdeckt immer wieder neue Aspekte, kann nie einschätzen, wie die Handlung sich weiterentwickeln wird, welchen Hintergrund, welche Beweggründe die Figuren haben.

Das Buch hat nur knapp 180 Seiten, dennoch lese ich auch kurze Bücher selten in einem Rutsch durch. Hier konnte ich es nicht weglegen. Große Lektüreempfehlung!

John Boybe: Das späte Geständnis des Tristan Sadler

In diesem Buch geht es um Tristan sadler, der nach dem 1. Weltkrieg zu der Schwester eines gefallenen Kameraden fährt, um ihr die Wahrheit über seinen Tod zu erzählen..

Das Buch ist von der ersten bis zu letzten Seite spannend und hat ein dramatisches, trauriges und gut durchdachtes Finale. Vor allem hat der Schluss mich begeistert, weil er unvorhersehbar ist und man wirklich nachhaltig überrascht und fasziniert ist.

Außerdem ist es sehr schön, in der Ich- Form, geschrieben und man kann sich in jeder Situation in Tristan hineinversetzen!

Ein toller Roman

Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war


Ein Junge wächst auf als Jüngster von drei Brüdern auf dem Gelände der kinder- und jugendpsychiatrischen Anstalt in Schleswig. Sein Vater ist Direktor dort und die Familie lebt mittendrin, im ganz normalen Wahnsinn. Abends schlummert Josse friedlich ein begleitet vom Heulen und Wimmern der jungen Patienten.
Tagsüber reitet er auf den mächtigen Schultern eines glockenschwingenden Riesen über das Anstaltsgelände und ist glücklich dabei.
Josses Vater, der „Bildungsbuddha“ nähert sich den Dingen am liebsten theoretisch von seinem Ohrensessel aus. Hier liest er sich mit großer Begeisterung ein, z.B. in die hohe Kunst des Segelns, in nautische Abenteuer auf den sieben Weltmeeren. Er kauft euphorisch ein Segelboot, noch bevor er den Segelschein in der Tasche hat und lässt seinen Traum schließlich kentern, als er auf der Schlei in Seenot gerät – bei Flaute. Komisch, oft skurril sind die Szenen, in die Joachim Meyerhoff uns Leser hineinzieht. Die Menschen aber sind es nicht. Sie kommen mir nahe, sind lebendig und liebenswert auch oder gerade im Scheitern.

Bei allem Sinn fürs Komische zieht sich als roter Faden das Thema Verlust und Tod durch das Buch. Das Leben dieser besonderen Familie wird nicht zuletzt durch den tödlichen Unfall des mittleren Sohnes geprägt und es endet... aber lesen Sie selbst.

„Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ habe ich mit großer Freude genossen, ich sprang mitten rein in diese außergewöhnliche Welt, die mir auf seltsame Weise immer vertrauter wurde. Ein Buch zum selber lesen und verschenken.

Joachim Meyerhoff: Alle Toten Fliegen Hoch - Amerika

Ein tolles Buch, witzig, intelligent, facettenreich und spannend. Die Pubertät. Die Neugier. Das Wissen, darum, dass irgendetwas Besonderes noch kommen muss. Und überraschenderweise auch kommt. Die ersehnte erste Liebe, betrogen vom Traum, Basketballspieler in den USA werden zu wollen. Die ersehnte Karriere als Spieler, möglich nur, weil ein Trainer unbedingt einen Deutschen im Team haben will. Und dann die Bilder. Assoziativ, frei und ausgemalt immer wieder mit neuen Geschichten. Und dann das Tempo und der Rhythmus beim Erzählen: Ein Lesevergnügen der besonderen Klasse.

Geert Mak: Amerika! Auf der Suche nach dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Der niederländische Autor Geert Mak, der 2008 mit dem Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung ausgezeichnet wurde, hat ein neues Buch geschrieben, das von der ersten Seite an fesselt. Der Autor hat sich im Jahre 2010 auf die Spuren des großen amerikanischen Schriftstellers John Steinbeck begeben, der 50 Jahre zuvor mit seinem Pudel Charley in einem umgebauten Transporter sein Land erkundet hat. Der Route des berühmten Kollegen folgend, vergleicht Mak die damaligen Impressionen Steinbecks mit den eigenen Eindrücken. Und die sind zutiefst widersprüchlich, was angesichts der schieren Größe des Landes, seiner gegensätzlichen Landschaften, der vielen verschiedenen Ethnien, Religionen und Kulturen und nicht zuletzt wegen gegenläufiger wirtschaftlicher Entwicklungen in den Bundesstaaten nicht verwunderlich ist. Mak hat zahlreiche amerikanische Freunde, bereist das Land seit Jahrzehnten und mag es vor allem. Das erklärt, warum der Schriftsteller nicht als kühler Beobachter daherkommt, sondern mit Leidenschaft und Empathie erzählt. Das gilt in erster Linie für viele von ihm wahrgenommene Fehlentwicklungen. Mak beschreibt etwa den Niedergang der ländlichen Räume, der Industrieproduktion und der öffentlichen Infrastruktur. Auch entgeht ihm nicht das zunehmende Auseinanderdriften der amerikanischen Gesellschaft in ökonomischer, politischer, religiöser und ethnischer Hinsicht. Dabei schreibt er ohne den erhobenen Zeigefinger des europäischen Kulturbürgers. Der Autor bietet einen leichthändig geschriebenen Abriss der amerikanischen Geschichte, scharfsinnige Analysen zum aktuellen Zustand der USA und vor allen Dingen farbige, atmosphärisch dichte Beschreibungen von Land und Leuten. Mitunter wähnt sich der Leser selbst in einem kalifornischen Mammutwald oder in dem Diner einer Kleinstadt des Mittelwestens. Wer dieses unglaublich spannende, kenntnisreiche und glänzend formulierte Buch gelesen hat,der wird dieses faszinierende, aber auch verstörende Land weitaus besser verstehen.

Hernan Rivera Letelier: Die Filmerzählerin

Ein wunderbares, schmales und konzentriertes Buch voller Poesie, die – Walter Benjamin läßt grüßen – besonders in der Armut und im Leid zu blühen scheint.
Nicht alle können sich einen Kinofilm leisten. Also geht einer ins Kino und erzählt den anderen, was er gesehen hat. Ein zehnjähriges Mädchen, Maria Margarita, kann Filme besonders gut nacherzählen und spielerisch darstellen. Sie verzaubert die ganze Minensiedlung. Jung von der Mutter verlassen, die mehr vom Leben wissen wollte, bleibt sie in der Siedlung. Schließlich gibt es keine Arbeit mehr, aber Touristen, denen sie die Geschichte von dem Mädchen, das Filme anschaulich machen konnte, erzählt.

Cornelia Manikowsky: Hund!

Welches Kind hat nicht den Wunsch nach einem Hund!? So ist es auch bei Moritz, der Hauptfigur dieser verrückten, nuancierten und zugleich sehr lustigen Geschichte, die von Hunden, gefräßigen Gürteltieren und obercoolen großen Brüdern handelt und dabei zugleich von Freundschaft und der Kraft der Fantasie auf überaus lebendige Weise erzählt.

Weil Moritz’ Mutter eine Allergie hat, muss er seinen Traum von einem Hund aufgeben, während sein bester Freund Viktor eines Tages mit einem süßen Welpen auftaucht. Klar, dass Moritz eifersüchtig ist und Viktor jetzt aus dem Weg geht. Eines Nachts aber rumpelt es ihn Moritz Schrank. Und auch wenn er es zunächst nicht glauben mag, dieses komische Etwas, das sich da herauskugelt, entpuppt sich als ein Tier, sein Tier, aber kein Hund, nein, es ist vielmehr ein überaus verfressenes, freches und fröhlich vor sich hin rülpsendes Gürteltier, das sich bei Moritz einquartiert und für das er fortan sorgt – was nicht immer ganz einfach ist. Moritz liebt das verschrobene Gürti, füttert es und liest ihm seine Lieblingsbücher vor. Inspiriert von den verrückten Ideen seines heimlichen Mitbewohners bietet Moritz nicht nur seinen überheblichen Bruder fortan Paroli und lernt ihn dadurch plötzlich von einer ganz anderen Seite kennen, sondern er geht auch auf Viktor wieder zu und weiht ihn in sein Geheimnis ein. Und es ist schließlich auch sein bester Freund, der ihm dabei hilft, sich schweren Herzens von dem inzwischen riesigen und stinkenden Gürti wieder zu verabschieden. Wohin es verschwindet, wird hier noch nicht verraten…

Absolut empfehlenswertes Kinderbuch zum Selbst- oder Vorlesen: zum einen wegen der lebendigen Sprache von Cornelia Manikowsky, des differenzierten Umgangs mit existenziellen Themen in Verbindung mit Humor und Sprachwitz, zum anderen auch wegen der schönen Illustrationen von Miriam Zedelius und der liebevollen, ansprechenden Gestaltung des Buches insgesamt durch die „edition buntehunde“ .

Alex Capus: Leon und Louise

Allen Liebenden und denen die lieben wollen empfohlen. Zwei Menschen vom Leben auseinandergerissen leben ihre gemeinsames Leben auch in der Distanz und ab und an in großer Nähe. Unabhängigkeitsdrang und Pflichtgefühl, Verantwortung für eine Liebe und Sehnsucht nach einer anderen. Ein großer Spannungsbogen, der mit seinem Ende beginnt.

Claudie Gallay: Die Brandungswelle

Ein gutes Buch übers Flüchten, Stehenbleiben, Standhalten, Abkehren, Zurückkehren. Wellenartig wird in kurzen Sätzen von der Schwermut und dem schweren Leben in einem Fischerdorf am französischen Atlantik erzählt. Einer Ornithologin, selbst auf der Flucht vor ihren Erinnerungen gelingt es, das Geheimnis dieses Dorfes zu entschlüsseln und wieder zu lieben. Spannend und schön erzählt.

Gräfin Elena Eligir Freddy Menzel: Unsere Auswanderung zwischen Traum und Alptraum

In der Geschichte schildern zwei alte Rentner ihre Auswanderungserlebnisse nach Paraguay. Sie wollen mit ihrer Auswanderung einem möglichen tödlichen Schicksal entfliehen. Ohne überlange Einleitung fesseln die Autoren die Leser an ihr Werk, indem diesen schwungvoll ein Ereignis nach dem anderen mitgeteilt wird. Die Erlebnisse sind sehr vielschichtig und wechseln zwischen lustig und traurig. Man erlebt beim Leser alles wirklich mit. Dabei unterstützen die Autoren ihre Leser mit vielen Fotos und auch sehr gekonnten Zeichnungen der Protagonisten, wodurch sie ihren Lesern lange Personenbeschreibungen ersparen. Ausgesprochen schön und interessant sind die eingefügten Auswanderungserlebnisse anderer Auswanderer und als Sahnehäubchen die kleinen Lebensgeschichten der Autoren, die sie sehr passend regelmäßig mit den Worten "Es war..." beginnen lassen. Einziger negativer Punkt an der Erlebnisgeschichte ist, dass nach 567 Seiten schon Schluss ist. Aber die Leser können sich auf einen offensichtlich noch folgenden Teil 2 freuen.

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