
Lesetipp von
Sönke Christiansen
23.08.2026
Marco Balzano erzählt in „Bambino“ die Geschichte eines Mannes, der im faschistischen Italien aufwächst und sich früh den Schwarzhemden - einer paramilitärischen, faschistischen Bewegung - anschließt.
Sein Spitzname Bambino steht dabei in einem beklemmenden Gegensatz zu der Gewalt, die zunehmend sein Leben bestimmt und auch stark von ihm selbst ausgeht. Balzano schildert glaubwürdig, wie politische Ideologie, Gruppenzwang und persönliche Sehnsüchte einen Menschen prägen und ihn zum Teil eines brutalen Systems werden lassen.
Besonders beeindruckt hat mich, dass Balzano seinen Protagonisten nicht einfach verurteilt. Er zeigt vielmehr, wie ein Mensch Schritt für Schritt in Gewalt und Schuld hineingerät und welche Spuren dies hinterlässt. Dabei wird zugleich ein Stück italienischer Geschichte lebendig, das hierzulande weniger bekannt ist. Der Roman spielt in Triest, einer Stadt die - ähnlich wie zur selben Zeit Lemberg - von verschiedenen Volksgruppen (Italiener, Slowenen, Österreicher) bewohnt wird.
„Bambino“ ist ein eindringlicher, kluger Roman über Faschismus, Verantwortung und die Frage, welche Entscheidungen ein Mensch selbst trifft.
Übersetzung: Übersetzt von Peter Klöss
Roman
Diogenes Verlag, 25,00 €
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