
Lesetipp von
Lena Meyer
22.08.2026
Die Einen kennen Don Pablo Mulemba vom ARD Podcast Springerstiefel, den er mit Musiker und Autor Hendrik Bolz betreibt. Inzwischen in der dritten Staffel berichten und erzählen sie darin von Neonazis in den Nachwendejahren, von Kontinuitäten und neuen Fragen.
Und die Anderen wissen beim Stichwort „Eberswalde“, dem Geburtstort Mulembas: Amadeu Antonio wurde dort im Herbst 1990 ermordet, angolanischer Staatsbürger, der 1987 als Vertragsarbeiter in die DDR kam, mit dem Versprechen dort Flugzeugtechnik studieren zu können. Er fand sich wieder in einer Ausbildung zum Fleischer. Dabei lernte Amadeu Antonio Don Pablo Mulembas Vater kennen - ebenso Angolaner - und seine Mutter, gebürtige Ostdeutsche, die auch in dem Betrieb beschäftigt waren.
1995 wird ihr Sohn Don Pablo geboren, und für ihn ist der afrikanische Kulturverein Palanca e.V., der in Reaktion auf den Mord an Antonio gegründet worden war, freudiger Teil seines Aufwachsens. Später geht Don Pablo an das Sportinternat in Cottbus, wechselt dann nach Berlin, wo er manche Sommerferien schon verbracht hatte.
Und wir als Leser*innen sind in Echtzeit mit dabei, denn Mulemba erzählt unverstellt, lässt viele Szenen für sich sprechen, ohne dass es effekthascherisch würde. Es wird klar, dass eine Kindheit geprägt von Arbeitslosigkeit und Rassismus für ihn normal war.
Daran, dass das Buch vergleichsweise schmal geworden ist, ist ablesbar, wie gut Don Pablo Mulemba verknüpft und dass er mit gewissem Abstand erzählt. Diese Lektüre ist absolut mitreißend, dabei hart und lehrreich. Ein sehr gutes Buch!
Rowohlt Berlin, 23,00 €
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