
Lesetipp von
Nicole Christiansen
01.05.2026
Vor wenigen Tagen erschien der neue Roman „Nicht“ von Dror Mishani, den ich mir sogleich schnappte. Im Jahr 2019, als ich für ein paar Monate in Israel lebte, entdeckte ich mit „Drei“ die überraschende Erzählkunst dieses Autors. Ich las und sah mit seinen Augen den heruntergekommenen Teil des Südens von Tel Aviv und fühlte spürbar die Erschöpfung der drei dort lebenden Protagonistinnen. Die Geschichte entwickelte sich zu einem unfassbar spannenden Krimi, der mir damals sehr nahe ging.
Im neuen Roman geht es um Eli, 52 Jahre alt, Witwer. Er übersetzt Romane aus dem französischen und erkennt in der KI eine Bedrohung für seine Arbeit. Ab und zu verabredet er sich mit Frauen. Es sind flüchtige Begegnungen - bis ihm die Musikerin Lia bei Freunden begegnet. Das Glück scheint ganz nah zu sein. Wäre da nicht Felix, Lias Hund. Es ist ein Kanaan-Hund, der misstrauisch die Zähne fletscht und ihn aggressiv anbellt. Doch auch diese Hürde meistert Eli und bald ist er kein Gast für eine Nacht mehr. „… entdeckst du, als du ins Badezimmer kommst, eine Zahnbürste mit blauen Borsten, die im grünen Wasserglas auf dem Waschbecken steht und die roten Borsten von Lias Zahnbürste küsst - und hast zu Recht keinen Zweifel, dass sie die beiden so arrangiert hat.“
Dennoch scheint sich etwas Bedrohliches über Elis unverhoffte Liebe zu legen: Ein Geheimnis von großer zerstörerischer Kraft!
Dieser Roman ringt intensiv mit der Frage um die richtige Entscheidung, so wie wir es von den großen israelischen Autor:innen wie Ayelet Gundar-Goshen, Yishai Sarid oder Zeruya Shalev u.a. kennen und schätzen.
Übersetzung: Aus dem Hebräischen von Markus Lemke
Roman
Diogenes Verlag, 25,00 €
Bahrenfelder Str. 79,
22765 Hamburg
040 390 20 72
ed.nesnaitsirhc-gnuldnahhcub@ofni
Öffnungszeiten
Montag - Freitag 10.00 - 19.00 Uhr
Samstag 10.00 - 18.00 Uhr