
Lesetipp von
Sybille Kramer
01.04.2026
Mein Buchtipp im April ist der Roman "Brandung" der französischen Autorin Maylis de Kerangal, von der ich bereits mit großer Begeisterung "Weiter nach Osten" gelesen habe. Darin ging es um einen jungen russischen Soldaten, der nicht in den Krieg ziehen will (erscheint im Juni endlich als Taschenbuch!).
Diesmal steht eine Frau im Mittelpunkt, die mit Mann und fast erwachsener Tochter in Paris lebt.
Sie erhält einen Anruf aus dem Kommissariat in Le Havre. Es wurde die Leiche eines Mannes gefunden, die noch nicht identifiziert werden konnte. Nun soll sie am nächsten Tag im Kommissariat erscheinen. Es wäre eine Angelegenheit, die sie betreffen würde. Was für eine Verbindung zu ihr kann es geben? Gibt es einen Zusammenhang mit ihrem Beruf als Synchronsprecherin?
Ich will den LeserInnen natürlich nicht zu viel verraten. Nur so viel: Es ist kein Krimi. Und es wird eine Reise in die Vergangenheit für die Protagonistin, denn Le Havre ist die Stadt, in der sie ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, bis sie zum Studium nach Paris ging und Le Havre den Rücken zukehrte. Könnte ihre erste große Liebe das Bindeglied zu dem Toten sein? Die Autorin verbindet virtuos die Geschichte der Ich-Erzählerin mit der Geschichte von Le Havre. Die Stadt am Ärmelkanal wurde im zweiten Weltkrieg von den Alliierten in den letzten Kriegstagen fast vollständig zerstört, um die deutschen Besatzer zu vernichten.
Die Ich-Erzählerin bleibt länger als ursprünglich gedacht, um mit sich ins Reine zu kommen und vergisst darüber fast den Geburtstag ihrer Tochter.
Maylis de Kerangal erzählt in einer sehr kraftvollen und rhythmischen Sprache. Wir riechen förmlich das Salzwasser und spüren die Kraft der Wellen, wenn wir die Protagonistin auf ihren Streifzügen durch den Küstenort begleiten.
Übersetzung: Andrea Spingler
Roman
Suhrkamp Verlag, 25,00 €
Bahrenfelder Str. 79,
22765 Hamburg
040 390 20 72
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