Lesetipp von
Anna Puszies
27.11.2023

In zehn Erzählungen schreibt die britische Autorin Saba Sams schonungslos ehrlich über junge Menschen, ihre Beziehungen und ihr Scheitern und Ankommen im Leben. Sie lässt nichts aus, es geht es um Fremdbestimmung und Abhängigkeiten aber auch um Selbstfindung und Selbstwirksamkeit, ums Ausbrechen. Dabei thematisiert sie unter anderem Abtreibung und körperlichen Missbrauch.
In einer der Geschichten, „Snakebite", erzählt sie von Lara, einer faszinierenden jungen Frau: aufregend, selbstsicher und schön. Die Protagonistin möchte sie unbedingt zur Freundin, lässt sich von ihr benutzen und ausbeuten. Sie wird aus ihrem eigenen WG-Zimmer verdrängt, vergisst ihr eigenes Leben zu leben und wird vorübergehend zur Nebendarstellerin in dem einer Anderen. Die titelgebende Erzählung „Send Nudes" handelt vom Frieden schließen mit dem eigenen Körper und dem Annehmen dessen. Die Protagonistin durchlebt darin einen Akt der Befreiung nachdem sie, die zuvor von körperlichen Unsicherheiten und Zweifeln gelenkt wird, einem fremden Mann im Internet schließlich Nacktfotos sendet.
Mich hat „Send Nudes" in seiner Sachlichkeit an die Erzählungen von Kristen Roupenian („Cat Person") und Miranda July („Zehn Wahrheiten") erinnert. Sams Sprache ist schlicht und genau auf den Punkt gebracht, ihre Stories haben mich überrascht und teilweise schockiert. Aufgrund der distanzierten und urteilsfreien Erzählweise war ich weniger berührt, aber die Eindringlichkeit hat dafür gesorgt, dass die Figuren und deren Geschichten mich noch länger beschäftigten.

Übersetzung: Übersetzung von Sophie Zeitz
Erzählungen
Piper, 22,00 €

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