Lesetipp von
Sybille Kramer
23.09.2025

Mein Buchtipp für diesen Monat stammt von der Autorin, Journalistin, Dichterin und Malerin Jina Khayyer, die mit ihrem autofiktionalen Romandebüt "Im Herzen der Katze" auf der Longlist zum diesjährigen Buchpreis steht. Die Vielseitigkeit der in Deutschland geborenen Künstlerin iranischer Abstammung hat mich neugierig gemacht und ich bin nicht enttäuscht worden.

Die Geschichte beginnt am 16. September 2022, dem Todestag der kurdischen Iranerin Jina Mahsa Amini. Die junge Frau war von der Sittenpolizei in Teheran so schwer verletzt worden, dass sie an den Folgen ihrer Kopfverletzung starb. Die Autorin ruft nachts ihre Mutter an, geschockt von der Gewalt gegen Frauen im Iran und auch geschockt, weil sie den gleichen Namen trägt. Und sie dachte immer, ihre Mutter hätte sich den Namen ausgedacht. Die Erzählerin reist nun in Gedanken zurück in der Zeit. Mit Anfang Zwanzig besucht sie das erste Mal das Land ihrer Familie und sieht dort endlich ihre wesentlich ältere Schwester Roya wieder, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter Nika in Teheran lebt. Auch wenn ihre Verwandschaft dort ganz modern und aufgeschlossen ist, so ist es ein Leben im Verborgenen. Die Sehnsucht nach dem Iran war größer als die Angst vor dem Regime.

Wir begeben uns mit Jina auf eine Entdeckungsreise ihrer unbekannten Heimat und sehen mit ihr die Schönheit des Landes, die Poesie der Sprache und die Großherzigkeit der Menschen. Verknüpft wird diese Reise immer wieder mit den Ereignissen des Jahres 2022. Ihre Nichte Nika ist mittlerweile eine junge Frau, die mit den vielen IranerInnen auf die Straße geht und ihrer Tante per Handy Fotos und Filme von den Demonstrationen schickt. Der Mut der Menschen im Iran wird so eindrücklich vermittelt, das es beim Lesen fast weh tut. Hoffentlich geht diese friedliche Revolution weiter.

Zan, Zendegi, Azadi! - Frau, Leben, Freiheit!

Roman
Suhrkamp, 25,00 €

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