
Lesetipp von
Nicole Christiansen
22.09.2025
In diesem Roman wird die Geschichte von Milan erzählt, dessen Mutter vor dem Völkermord in Ruanda nach Frankreich geflohen ist und dort Milans Vater, einen Franzosen, geheiratet hat. Milan wächst in Versailles auf und erlebt eine „fast“ normale Kindheit. Allerdings spricht Milans Mutter nie über ihre Heimat. Erst in seiner Jugend erfährt er, dass er auch in Ruanda Familie hat. Er beschließt, sich gegen den Willen der Mutter auf Spurensuche zu begeben. In Kigali angekommen, sucht er Zuflucht in einem mit Büchern vollgestopften Palast, der dem mysteriösen Sartre gehört. Gemeinsam mit ihm, seinem „Onkel“ Claude und der einfühlsamen Stella will er herausfinden, was mit seiner Familie geschehen ist. Viele überraschende Verwicklungen und Abenteuer stellen ihre Freundschaft auf die Probe.
Am Anfang und am Ende dieses atemberaubenden Romans von dem französisch-ruandischen Autor und Sänger Gaël Faye steht ein Baum: der Jacaranda. Das Bild dieses Baumes steht für die Familiengeschichte dreier Generationen. Vor dem Hintergrund der Geschichte Ruandas, wo 1994 durch den Genozid an den Tutsi mehr als 800.000 Menschen ihr Leben verloren haben, erzählt der Autor von einem Land, in dem Nachbarn, Freunde und Familien zu Opfern und Tätern wurden. Dennoch müssen sie und ihre Nachkommen nach den schlimmen Gräueltaten miteinander weiterleben. Der Roman liest sich wie eine Befreiung von einer schweren Last, die über Generationen weitergegeben wurde. Gaël Faye schreibt darüber in einer Sanftheit, die den poetischen Text so außergewöhnlich macht. Es ist ein berührendes Zeugnis der Versöhnung.
Der Autor zog aus Frankreich nach Kigali, wo er heute mit seiner Frau und seinen kleinen Kindern lebt. Sein Roman wurde bereits mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet u.a. dem Prix Renaudot.
Übersetzung: aus dem Französischen von Andrea Alvermann und Brigitte Große
Roman
Piper, 24,00 €
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