
Lesetipp von
Sybille Kramer
28.02.2025
Lange hat es gedauert - jetzt ist endlich wieder ein Roman des großen niederländischen Autors Leon de Winter erschienen.
Jaap Hollander, Neurochirurg im Ruhestand, fährt jedes Jahr nach Israel, seit seine Tochter Lea dort in der Wüste Negev zusammen mit einem jungen Mann spurlos verschwunden ist. Diesmal ist die Reise etwas Besonderes. Es ist der zehnte Jahrestag des Verschwindens und Jaap kann den Tod seiner Tochter immer noch nicht akzeptieren. Er möchte erneut in einem Wüsten-Krater nach Hinweisen zu ihrem Verbleib suchen.
Alles ändert sich schlagartig, als er einen Anruf einer Mitarbeiterin des israelischen Ministerpräsidenten erhält. Er wird gebeten, bei der Tochter eines saudischen Herrschers eine nahezu unmögliche Hirn-OP durchzuführen. Weltweit käme nur er infrage, die vorliegende Anomalie erfolgreich zu operieren. Die junge Frau, im gleichen Alter wie seine Tochter zum Zeitpunkt ihres Verschwindens, könnte die erste saudische Herrscherin werden und von ihrer Genesung könne der Frieden im Nahen Osten abhängen. Jaap wird eine unvorstellbar hohe Summe angeboten und er weiß, dass er nicht ablehnen kann.
Wie seine Begegnung mit einem streunenden Hund in der Wüste, der Ausgang der Operation und Jaaps eigene Gesundheit miteinander verbunden sind, werde ich nicht verraten. Jaap verwandelt sich vom kühl handelnden Rationalisten hin zum Gefühlsmenschen, der plötzlich daran glaubt, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt.
Zum 50-jährigen Jubiläum seiner Schriftstellerkarriere ist Leon de Winter wieder ein inhaltlich und sprachlich wunderbarer Roman gelungen.
Übersetzung: Übersetzt von Stefanie Schäfer
Roman
Diogenes Verlag, 26,00 €