Als Anne Berests Mutter Lélia im Jahre 2003 eine Postkarte zugeschickt bekommt, die nicht unterschrieben ist, sorgt diese Karte kurz für Aufregung in der Familie. Es stehen vier Vornamen darauf: Ephraïm, Emma, Noémie und Jacques. Wer hat diese Postkarte geschickt? Warum sind die Vornamen von Annes Vorfahren, Myriams Eltern und Geschwistern, kommentarlos notiert?
Ephraïm, Emma, Noémie und Jacques wurden in Auschwitz ermordet - und gut 60 Jahre später wird die Postkarte verschickt - ein Rätsel, das zunächst nicht gelöst werden kann. So gerät die Karte erst einmal in Vergessenheit.
Jahre später, inzwischen selbst Mutter einer Tochter, beginnt Anne Berest nach der Herkunft der Karte und somit auch zu ihrer Familiengeschichte zu forschen. Auslöser dafür ist ein Vorfall in der Schule der Tochter: "Juden mögen wir nicht besonders" bekommt sie zu hören. Anne Berest spricht mit ihrer Mutter, die zu Beginn der Nachfragen noch zögerlich ist, denn die Erinnerungen an ihre Eltern Ephraïm & Emma, ihre Schwester Noémie und ihren Bruder Jaques sind schmerzhaft.

Anne Berest verwebt in ihrem Roman die Geschichte der Familie Rabinovitch, die wegen Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung 1919 aus Russland flieht, dann über Lettland nach Palästina flüchtet und schließlich Ende der 1920er Jahre in Paris ankommt, mit der spannenden Recherche nach der Herkunft der Postkarte. Auch die Bezüge zur aktuellen Situation in Frankreich und der immer noch existente Antisemitismus sind Thema dieses Buches und sicher auch Schreibantrieb der Autorin.

Ein erschütternder und bewegender Bericht, der sich auf 544 Seiten atemlos lesen lässt. Sehr froh war ich, als am Ende das Rätsel um die Postkarte gelöst wird - wie, das wird hier natürlich nicht verraten!

Übersetzung: Aus dem Französischen von Amelie Thoma & Michaela Meßner
Roman
Berlin Verlag, 28,00 €

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