Dieses Buch ist formal ganz raffiniert aufgebaut, wer da wem was erzählt, begreift man eigentlich erst gegen Ende. Aber das macht nichts, es ist ein Vergnügen zu erleben, wie sich eine Karte nach der anderen aufdeckt, während man das Buch liest.

Auf der vordergründigen Erzählebene nimmt ein Mann eine junge Frau, die ihn an einer Raststätte anspricht, in seinem Auto mit über die Landstraße zu einem einsamen Ort an der Küste. Und weil beide vom anderen nicht belogen werden wollen, kommt es dazu, dass sie sich ihre Geschichten erzählen. Davon will ich nicht zuviel verraten, um dem Buch nicht die Wirkung zu nehmen. Jedenfalls geht es um die Generation nach der Diktatur, die wissentlich oder unwissentlich mit den Gespenstern ihrer verschwundenen Verwandten lebt. Die junge Frau ist von zu Hause abgehauen und nennt sich konsequent Camboya, obwohl sie eigentlich den Namen ihrer Tante trägt. „Jahrelang hatte ihr Vater ihr mit der heroischen Cecilia und ihrer selbstlosen Aufopferung für die Armen zugesetzt. Sie musste hören, wie er aus dem Unfall eine mutmaßliche Militäroperation machte, die die Zeit, das Vergessen oder die Notwendigkeit schließlich unzweifelhaft werden ließ. Und so idiotisch das auch klingen mochte, sie hatte ihn nicht Lügen gestraft, sondern am Ende beide hassen gelernt, und ihr Schuldgefühl ließ sie schweigen, denn sie wusste, dass sie Cecilia gegenüber ungerecht war.“ Diese Geschichte ist sprachlich sehr elegant erzählt – übersetzt hat es Susanne Lange -, ich habe es sehr genossen!

Roman
Suhrkamp, 15,40 €

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