Lesetipp von
Lilli Biskamp
01.06.2026

Douglas Stuart erzählt von Cal, der nach seinem Studienabschluss pleite und planlos aus Edinburgh auf seine Heimatinsel zurückkehrt. In die raue Welt der Äußeren Hebriden: Schafwolle, windgepeitschte Moorlandschaften, Kirchenlieder und unausgesprochene Erwartungen. Sein Vater John verkörpert ein Männlichkeits- und Pflichtverständnis, das keine Abweichung duldet: religiös fundiert, traditionsgebunden, unnachgiebig. Wie also könnte Cal ihm von seiner Sehnsucht nach einem Mann erzählen?

Die beiden sind sich nah und wissen dennoch kaum etwas voneinander. Das ist das eigentliche Herz dieses Romans. Douglas führt Figuren vor, die man als Leserin oder Leser am liebsten schütteln möchte: gefangen zwischen Glauben, strengen Normvorstellungen, Pflichtgefühl und verdrängten Wünschen, schweigen sie beharrlich über genau das, was dringend gesagt werden müsste. Einzig Ella, Cals Großmutter, scheint die innere Verfasstheit der Menschen um sie herum wirklich zu durchschauen und ist damit oft die hellsichtigste Figur im Raum.

Zurück auf dem Hof, auf dem er aufwuchs, hilft Cal beim Treiben der Schafe über karge Hügel, sitzt nächtelang am Webstuhl und webt gemeinsam mit seinem Vater den berühmten Tweed. Das Leben zieht ihn wieder ein, bevor er sich dagegen wehren kann. Allmählich beginnt er, die Nähe von Innes zu suchen, dem stillen, sanftmütigen besten Freund seines Vaters.

Ein Buch, dessen Stimmung einen noch tagelang begleitet und dessen Figuren man, kaum hat man die letzte Seite umgeblättert, bereits vermisst.

Roman
Hanser, 26,00 €

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