Lesetipp von
Sönke Christiansen
06.01.2026

Der Roman Der letzte Tag des Fährmanns von Frode Grytten ist ein stilles, eindringliches Buch über Abschied, Erinnerung und das Vergehen der Zeit. Im Mittelpunkt steht ein Fährmann, der an seinem letzten Arbeitstag noch einmal in Gedanken Menschen  über das Wasser bringt – und dabei zugleich durch sein eigenes Leben reist. Die Fähre wird so zu einem Ort der Übergänge: zwischen Ufern, Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Leben und Tod.

Grytten erzählt in einer poetischen, verdichteten Sprache, die weniger auf Handlung als auf Atmosphäre setzt. Die Begegnungen mit den Passagieren sind oft nur angedeutet, wirken aber dennoch bedeutungsvoll, weil sie Erinnerungen, Gedanken und innere Bilder beim Fährmann auslösen. Schritt für Schritt entsteht ein Mosaik aus Momenten, das sich beim Lesen des Romans zu einem ganzen Leben zusammenfügt.

Die Handlung ist wie ein innerer Monolog oder ein langer Abschiedsgedanke. Gerade darin liegt jedoch seine Stärke: Der letzte Tag des Fährmanns lädt zum Nachdenken über die eigene Lebenszeit, über Erinnerungen und über das Loslassen ein. Frode Grytten gelingt ein leiser, nachhallender Text, der lange im Gedächtnis bleibt.

Roman
Penguin, 22,00 €

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