
Lesetipp von
Britta Hansen
28.09.2025
Es könnte so idyllisch sein: Alleinerziehende Frauen laden sich gegenseitig zum Essen ein, unterstützen sich abends beim Babysitten und sind auch sonst füreinander da im rauen Berlin, wo sonst jeder nur für sich kämpft.
Nicht so in Jacinta Nandis Roman “Single Mom Supper Club", nominiert für den deutschen Buchpreis: Hier prallen verschiedene Welten aufeinander und es ist hohe erzählerische Kunst, wie die Autorin, diese Welten mit geistreicher Ironie und messerscharfer Beobachtung ausleuchtet. Da gibt es die beiden Single Moms Tamara und Kayla, die wie die Autorin um die vierzig und PoCs sind, aus England kommen, und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten. Sie sind befreundet mit Anke, einer ostdeutschen Spielverderberin, die deshalb die schreckliche Anke genannt wird. Die Frauen tun sich zusammen mit einer Gruppe jüngerer Momfluencerinnen, die ihr Geld mit Instagram Posts verdienen und Designertaschen mit unerschöpflichen Kokain-Vorräten tragen. Der Generationenclash ist vorprogrammiert. In bissig-humorvoll erzählten Episoden folgen wir den Frauen durch ihren Alltag, erfahren von aufbrechenden Lebenslügen, Armut, Rassismus und sexuellen Übergriffen. “Single Mom Supper Club" rüttelt an gesellschaftlichen Normen. Das ist Comedy auf höchstem Niveau, pointenreich, klug und sehr unterhaltsam. Auch wenn es Nandi nicht auf die Shortlist geschafft hat, verdient der Roman viele Leser*innen.
Roman
Rowohlt, 24,00 €