Lesetipp von
Britta Hansen
24.07.2025

Der Roman beginnt mit einem Betrug. Zwei Menschen, die sich lieben und begehren — eine Affäre, die schon fast ein Jahr läuft. Gabriela ist seit zwanzig Jahren mit Germán verheiratet, der gemeinsame Sohn hat lange auf sich warten lassen, und ist deshalb noch klein. Sie ist Journalistin, schreibt beliebte Kolumnen für ein Frauenmagazin, ihr Leben ist ein langer ruhiger Fluss, und das ist etwas, das Gabriela mit Mitte vierzig nicht akzeptieren möchte.

Und so kommt Pablo ins Spiel, der erfolgreiche Schriftsteller, den Gabi schon lange bewundert, bis sie sich eines Tages ineinander verlieben. Fortan besucht sie ihn immer donnerstags in seiner Dachwohnung, wirft ihr schlechtes Gewissen für ein paar Stunden über Bord, und gibt sich diesem respektvollen, sinnlichen Liebhaber hin. Doch wie lange kann Gabriela ihrem Ehemann diesen Betrug verheimlichen, und was passiert, wenn sie sich gegen ihn entscheidet?

Halt findet Gabriela bei ihren besten Freundinnen Silvia und Cósima, die sie schon ihr halbes Leben begleiten. Aber auch Silvia ist nicht glücklich in ihrer Ehe, sie kämpft als Hausfrau und Mutter um ihre künstlerische Unabhängigkeit – ihr Mann hat dafür nur wenig Verständnis. Und Cósima, die Modedesignerin aus adligem Hause, muss schon kurz nach der Hochzeit feststellen, dass ihr Mann sie weder körperlich begehrt noch an einem gemeinsamen Leben interessiert ist.

Ein überraschend vielschichtiger Roman dessen Handlung mehr als zwanzig Jahre umspannt. Wir begleiten drei moderne spanische Frauen in Barcelona, die in der Mitte ihres Lebens alle Entscheidungen, die sie einmal getroffen haben, auf den Prüfstand stellen. Die Fragen zu Themen wie Treue und Verrat, Liebe, Lust und Loslassen, Kinder und Beruf sind schon oft gestellt worden, aber die Autorin gibt uns tiefe Einblicke in die Gedankenwelt ihrer Figuren, sodass mich die Antworten, die hier diskutiert werden, sehr berührt und nachdenklich gemacht haben. Christina Cambos erzählt eindringlich und mit einem feinen Gespür für emotionale Zwischentöne. Ihr geht es nie um Schuldzuweisungen, sondern sie lotet aus, wie die Balance zwischen Selbstverwirklichung und Respekt den geliebten Partnern gegenüber gelebt werden kann. „Verheiratete Frauen“ – anspruchsvolle Unterhaltung, lebensbejahend und ernsthaft zugleich.

Übersetzung: Aus dem Spanischen von Lisa Grüneisen
Roman
Fischer, 24,00 €

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