
Lesetipp von
Nicole Christiansen
23.06.2021
„Gute Geschichten erzählen ohnehin nicht davon, was passiert. Sie hinterlassen nur Bilder, wie Zeichnungen auf dem Gehsteig, auf die die Jahre fallen wie der Regen. Vielleicht sollte ich ein Bilderbuch aus uns machen. Etwas, das niemand außer uns begreift. Aber auch Bilderbücher müssen irgendwo beginnen...Wir haben unaufhörlich begonnen und geendet..."
Sara und Lejla sind allerbeste Freundinnen in Banja Luca, wo sie gemeinsam zur Schule und später zur Uni gehen. Es ist die Zeit des Bosnienkrieges, der in ihrer beider Leben tiefe Wunden hinterlässt. Armin, Lejlas geliebter älterer Bruder, verschwindet spurlos. Lejla nennt sich zu ihrem Schutz jetzt Lela, färbt ihre Haare blond. Saras Vater schleppt sein Kind in die Kirche, damit es getauft wird. Schließlich verlieren Lejla, die Bosniakin, und Sara, die Serbin, sich aus den Augen und Sara verlässt ihre Heimat. Sie geht nach Irland und baut sich eine neue Existenz auf.
Nach zwölf Jahren Funkstille meldet sich Lejla überraschend bei Sara und verlangt, sie solle sofort nach Mostar kommen. „Armin ist in Wien", sagt sie..."Du mußt mich abholen kommen."
Kurze Zeit später fahren die beiden in einem maroden Opel Astra über den Balkan nach Österreich.
Lana Bastasics findet in ihrem fesselnden Debütroman Bilder, die uns Leser:innen die düstere Atmosphäre im ehemaligen Jugoslawien intensiv spüren lassen. Die Suche nach ihrer weiblichen Sexualität und Identität gestaltet sich bei den beiden extrem unterschiedlichen Protagonistinnen auf witzige und tragische Weise zugleich.
Es ist ein Wunder, wie kunstvoll es Lana Bastasics gelingt, Vergangenheit und Gegenwart in ihrer Geschichte zu vereinen!
Übersetzung: Aus dem Bosnischen von Rebekka Zeinzinger
Roman
S. FISCHER, 22,00 €
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