Was wissen wir über das heutige Indien? Hinduismus, Kastensystem, Kashmirkonflikt, Gewalt gegen Frauen, Umweltverschmutzung und Überbevölkerung - das sind einige Schlagworte aus den Nachrichten, die vielleicht in unseren Köpfen hängen geblieben sind. Aber was bedeuten Sie?

Die berühmte indische Menschenrechts- und Umweltaktivistin Arundhati Roy bringt uns in ihrem zweiten Roman (der erste, "Der Gott der kleinen Dinge", erschien vor 20 Jahren) abermals ihr Land nahe. Sehr nahe. Nachdem die LeserInnen nach den ersten 50 Seiten gelernt haben, die vielen indischen Begriffe und Namen auseinanderzuhalten, finden sie sich wieder am Puls dieses Landes und - vielleicht - an seinem Bodensatz: In der Altstadt Delhis. Hier ist der Roman größtenteils angesiedelt und seine Hauptperson empfängt uns mit einem Thema, auf das wir nicht gleich gekommen sind: Wie lebt es sich hier, als Frau in einem vorwiegend männlichen Körper?

Wie ist es, einer Kaste anzugehören, die ihr Geld damit verdient, tote Kühe zu entsorgen, die innerlich geplatzt sind, weil sie zu viele Plastiktüten gefressen haben? Was bedeutet der Kashmirkonflikt für die Kashmiris und wird er erst enden, wenn es in Kashmir nichts mehr gibt, wofür es sich zu kämpfen lohnt? Mit diesen und vielen weiteren Fragen leben Arundhati Roys wunderbar starke, humorvolle und leidenschaftliche Figuren (eine davon entspringt auch ihrem Vorgängerroman). Wir sind am Ende traurig, sie verlassen zu müssen. Hoffentlich folgt der dritte Roman etwas schneller!

Mein Lieblingszitat: "Er, von seinen Gewissheiten geschmälert. Sie, von ihrer Zwiespältigkeit vergrößert."

Übersetzung: Anette Grube
Roman
S. Fischer, 24,00 €

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