David Graeber, Ethnologe, Anarchist und u.a. Autor des Buches „Schulden. Die ersten 5000 Jahre“ hat sich mit der Bürokratie beschäftigt und darüber sein neuestes Buch geschrieben. Bürokratie – das klingt kompliziert und langweilig und nach etwas, womit man möglichst wenig zu tun haben möchte. Kompliziert und sperrig ist das Thema tatsächlich. Umso größer das Glück, dass wir es von – den Eindruck habe ich beim Lesen gewonnen – einem der intelligentesten Zeitgenossen auseinandergesetzt bekommen. Denn dadurch ist dieses Buch alles, nur nicht langweilig! David Graeber zeigt auf, wie unglaublich viel wir mit Bürokratie zu tun haben, obwohl wir Meister darin sind, diesen Zustand zu verdrängen. Wir erfahren, dass Bürokratie alle Bereiche unseres Lebens bestimmt, und vor allem, was das bedeutet, besonders seit die Bürokratien von Staaten und Unternehmen nahtlos ineinandergreifen. Dieses Buch ist ein Feuerwerk von spannenden Details und erhellenden Gedanken, auf die der Leser – behaupte ich – von selbst nie gekommen wäre. Ich würde hier am liebsten jeden zweiten Satz zitieren, aber lesen Sie es am besten selbst! Nur so viel: „Wer einmal Flüchtling war oder auch nur bei der Anmeldung seiner Tochter an einer Musikschule einen mehrseitigen Aufnahmeantrag ausfüllen musste, den befremdet die Ansicht, Bürokratie sei rational oder effizient. Aber so sieht es aus der Vogelperspektive aus. Von innen – aus der Froschperspektive – betrachtet, erscheinen die Algorithmen und die mathematischen Formeln, mit denen die Welt bewertet und beurteilt wird, nicht nur als Messgrößen für Werte, sondern sogar als die Ursachen von Werten.“

Übersetzung: Hans Freundl/Henning Dedekind
Sachbuch
Klett-Cotta, 22,95 €

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