Der erfolgreiche Neurochirurg Etan Grien steht mitten im Leben, als er kurz davor steht seinen Chef und ehemaligen Professor und Förderer wegen korrupter Machenschaften auffliegen zu lassen. Er wird aus Tel Aviv in eine Kleinstadt in der Wüste abberufen, was seine Frau, eine Kriminalbeamtin, weniger zu stören scheint. Nach dieser Niederlage kollabiert sein Leben erst richtig, als er nach einem langen Nachtdienst mit seinem Jeep durch die Wüste heizt und einen staatenlosen Mann aus Eritrea umfährt. Er lässt ihn übel zugerichtet am Unfallort zurück, ohne lebensrettende Maßnahmen vorzunehmen. Am nächsten Morgen steht dessen Frau vor seiner Haustür und hält ihm seine Geldbörse mit seinem Pass vor, die er am Unfallort verloren hat. Was darauf folgt ist ein zerstörerischer Sog voll von Erpressung und Misstrauen, in dem die Grenzen zwischen Täter und Opfer immer wieder verschwimmen. Alles scheint sich zu drehen in diesem politisch aufgeladenen Roman. Der innere Zwiespalt, den Etan Grien Tag für Tag durchlebt, führt dazu, dass er sich von seiner Familie und von seinen liberalen Idealen entfremdet. Der Einblick, den uns die Autorin in die Welt Israels gewährt, ist unglaublich bereichernd und lässt einem manchmal den Atem stocken. Ayelet Gundar-Goshen stößt dabei existenzielle Fragen an: Wie würde jeder Einzelne in dieser Situation handeln? Wieviel ist ein Menschenleben wert? Sie sagt von sich selbst, als Schriftstellerin lege sie es darauf an, "dass die Leser ihren Kaffee über den Tisch spucken". Genau das ist ihr in ihrem zweiten Roman mit Bravour gelungen!

Übersetzung: Ruth Achlama
Roman
Kein & Aber, 22,90 €

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