Der neue Roman von Iris Wolff, welcher in diesem Jahr für den Deutschen Buchpreis nominiert war, beginnt Anfang der 80er Jahre in einem kleinen Dorf im rumänischen Banat. Florentine und Hannes, ein rechtschaffenes, gastfreundliches Pfarrers-Ehepaar, bewirten einen Sommer lang zwei junge Lehrer aus der DDR in ihrem Haus und Garten. Irgendwann stellen sie fest, dass die beiden jungen Männer schwul sind. Homosexualität stand in dieser Zeit in Rumänien unter Strafe und tatsächlich holt die Miliz Hannes zum Verhör, der sich davon in seiner souveränen Haltung nicht beeindrucken lässt.
In den folgenden sechs Kapiteln, die sich durchaus auch als unabhängige Geschichten lesen lassen, schlägt die Autorin kunstvoll einen historischen Bogen aus dem vergangenen Jahrhundert bis in die Gegenwart. Vor dem Hintergrund von Spitzeltum, Folter, Flucht und dem Fall des eisernen Vorhangs lässt Iris Wolff in ihren Geschichten uns bereits bekannte Gestalten immer wieder auftreten. Unter würdelosen Umständen bewahren diese ihre Menschlichkeit.
Auf dem Cover des schmalen Romans ist ein roter Ahornzweig abgebildet. Die Stimmung eines Herbstspaziergangs entspricht dem sinnlichen Stil und dem ruhigen Erzählfluß dieser lyrischen, leicht melancholischen Geschichte. Man kommt den Menschen beim Lesen sehr nahe und staunt über Sätze wie diesen „Für Anfänge musste man sich entscheiden, Enden kamen von allein, wenn man sich nicht entschieden hatte."

Roman
Klett-Cotta, 20,00 €

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Öffnungszeiten im Dezember
Montag - Sonnabend
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