Kurz bevor dieses ungewöhnliche Buch endet, werden Sie den folgenden Satz lesen:
„Was wir vermissen - was wir verlieren und worum wir trauern -, ist es nicht das, was uns zuinnerst zu der Person macht, die wir wirklich sind. Ganz zu schweigen davon, was wir im Leben wollten, aber nie bekommen haben."
An dieser Stelle kennen Sie Apollo, eine Dänische Dogge von beachtlicher Größe, und die Erzählerin dieser Geschichte schon allzu gut. Sie wissen, daß der Freund der Erzählerin unter Depressionen litt und sich das Leben nahm. Die Beiden verband eine langjährige, sehr innige Freundschaft, die geprägt war von Gesprächen über ihre Arbeit. Beide sind Schriftsteller und unterrichten Literatur an der Universität. Am Anfang ihrer Freundschaft probierten sie einmal aus, wie es sich anfühlt, miteinander zu schlafen. Danach beschließen sie beide, lieber Freunde zu bleiben. Der Verstorbene hatte drei Ehefrauen, die im Roman Nummer 1, Nummer 2 und Nummer 3 genannt werden, zudem viele Affären mit seinen Studentinnen und er hatte eben diesen Hund. Nummer 3, die Witwe, möchte Apollo, der sehr um sein Herrchen trauert, auf keinen Fall behalten. So schwätzt sie das Tier der Erzählerin auf, die ihn in ihr winziges Appartement in New York unerlaubt einziehen lässt.
Die Beiden gewöhnen sich aneinander und teilen den Verlust. Sigrid Nunez kombiniert hier eine teils sehr humorige Hundegeschichte mit den großen Fragen danach, was die Literatur vermag und wieviel Autobiographisches der Schriftsteller*In im Roman preisgeben darf. Hilft  Schreiben dabei, Verlust und Tod zu verarbeiten?
Am Ende bleibt offen, wen die brillante Autorin mit dem Freund eigentlich meint. Sigrid Nunez entlässt ihre Leser*Innen aber mit der Gewissheit, wie eng gute Literatur mit unserem Leben in all seinen Facetten verwoben sein kann. Ein wahrhaft gelungenes Buch und eine Ode an die Freunde!
Der Roman „Der Freund" erhielt 2018 den National Book Award.

Übersetzung: Aus dem Amerikanischen von Anette Grube
Roman
Aufbau Verlag, 20,00 €

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