Der Titel provoziert. Gegen Wahlen? Wie kann man gegen Wahlen sein? Wahlen sind doch das A und O unserer Demokratie!

Tja. Unserer Demokratie vielleicht. Leider, muss man wohl sagen. Weil es in unserer Demokratie das einzige Mittel ist, mit dem das Staatsvolk (demos) Macht (kratos) ausüben kann. Und eigentlich ist es doch kein Geheimnis, dass wir ziemlich frustriert sind, alle paar Jahre ein Kreuzchen beim geringsten Übel zu machen, um dann zusehen zu dürfen, wie die Gewählten die im Wahlkampf gegebenen Versprechen brechen. Und haben wir nicht alle schonmal taggeträumt, was wir tun würden, wenn wir einmal wirklich mitbestimmen dürften?

Der belgische Historiker und Ethnologe David Van Reybrouck attestiert unseren Demokratien einen schlechten Allgemeinzustand. Die Wahlbeteiligung sinkt, Populisten gewinnen an Zulauf, die Regierenden befinden sich im ständigen Wahlkampf und entscheiden nach Kalkül und nicht nach Vernunft. Die Sache mit den Wahlen funktioniert nicht mehr.

Reybrouck ist aber nicht nur gegen Wahlen. Er ist auch für die Einführung des Losverfahrens. Auch dieser Gedanke lässt uns beim Lesen erstmal nicht ruhig im Sessel sitzen bleiben. Losverfahren?! Das heißt irgendwelche zufällig ausgewählte, im schlimmsten Fall inkompetente Spinner sollen in Zukunft den Staat lenken?

Ob Sie es glauben oder nicht: Das Losverfahren ist so alt wie die Demokratie selbst. In Athen wurden fast alle Posten ausgelost, nur die wenigsten durch Wahl besetzt. Wahlen hingegen wurden erst nach der französischen und amerikanischen Revolution eingesetzt. Und zwar von der Aristokratie, die an einer Demokratie ausdrücklich kein Interesse hatte. Sie wählte mittels Zensuswahlrecht aus den eigenen Reihen und hielt das Volk – richtig, für inkompetent.

Ist es aber nicht, wie einige Projekte in jüngster Vergangenheit gezeigt haben. In welchem Rahmen sich das Losverfahren schon bewiesen hat und wie das im großen Stil funktionieren könnte – das lesen Sie bei Van Reybrouck. Sie werden staunen und merken: Die Zeit ist reif!

Übersetzung: Arne Braun
Sachbuch
Wallstein Verlag, 17,90 €

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